04.02.2008

Indien: Nach Orissa - Angriffe auf Christen auch im Nachbarstaat Chhattisgarh

Über 80 Menschen wurden verletzt – Christen fürchten Zunahme der Gewalt

Indien: Nach Orissa - Angriffe auf Christen auch im Nachbarstaat Chhattisgarh

Über 80 Menschen wurden verletzt – Christen fürchten Zunahme der Gewalt

(Neu-Delhi, 22. Januar 2008) – Nach den blutigen Angriffen auf Christen im Bundesstaat Orissa
kam es auch im indischen Bezirk Durg/Bundesstaat Chhattisgarh zu Gewalt gegen Christen. Am
16. Januar stürmten extremistische Hindus eine christliche Versammlung und verletzten 80
Christen. „Die Angreifer, die zur Gruppe Dharam Sena [Religionsheer] gehören, kamen in vier
LKWs, verprügelten Christen und andere, die die Versammlung besuchten und verwüsteten das
im Bau befindliche Gemeindehaus", sagte Pastor Arpan Tarun von der Chhattisgarh Pastors´
Fellowship. Ein Mann sei festgenommen worden; nach weiteren Tätern werde noch gesucht,
erfuhr der Informationsdienst Compass Direct von der Polizei. Ein Fernsehteam filmte den
Angriff. Bei einem weiteren Vorfall am darauf folgenden Tag im Bezirk Dhamtari wurden
mindestens zwölf Gläubige verletzt. Über 200 Mitglieder der Dharmasena, einer mit der hinduextremistischen
Rashtriya Swayamsevak Sangh (RSS) verbundenen Gruppe, warfen ihnen
Zwangsbekehrungen von Hindus vor. Die nationalistische Bharatiya Janata Party (BJP) hielt
zum Zeitpunkt in diesem Gebiet eine Volksversammlung ab. Die Überfälle folgten auf die
Gewalt im benachbarten Staat Orissa vor wenigen Wochen. Christen befürchten, dass die
anstehenden Wahlen in mindestens zehn Bundesstaaten einschließlich Chhattisgarhs die antichristlichen
Übergriffe erhöhen werden, da die BJP die Wählerschaft spalten will. In
Chhattisgarh leben mehr als 20,8 Millionen Menschen von denen rund 401.000 Christen sind.
Orissa: Angriffe in der Weihnachtszeit
Bei einer Angriffswelle gegen Christen in der Weihnachtszeit starben im Bundesstaat Orissa
mindestens vier Christen und Hunderte wurden verletzt. 95 Kirchen brannten ab, 730
Wohnhäuser von Christen wurden zerstört. Die obdachlosen Menschen flohen zumeist in
benachbarte Wälder. Die fast eine Woche andauernden Unruhen begannen am 24. Dezember in
Brahmani, einem Dorf in Bezirk Kandhamal. Die christliche Gemeinschaft war dabei, ein Zelt
aufzustellen, um Weihnachten zu feiern. Eine Gruppe von mehreren hundert Hindus wollte das
Aufstellen des Zeltes verhindern. Trotz des Einsatzes von 20 Polizeieinheiten und einer
Ausgangssperre verbreiteten sich die Unruhen auf andere Dörfer. Orissa verabschiedete 1967 als
erster Bundesstaat Indiens ein Antibekehrungsgesetz. Seither haben weitere Bundesstaaten
solche Gesetze eingeführt. Zwischen 1950 und 1998 wurden nur 50 Angriffe auf Christen
registriert. Zwischen 2001 und 2005 waren es jeweils mindestens 200 Angriffe jährlich. Im
vergangenen Jahr überstieg die Zahl zum ersten Mal 1.000.
Compass Direct