25.01.2008

Vietnam: Verurteilte christliche Rechtsanwälte in Provinzlager verlegt

Haftverschärfung durch Isolierung –Hungerstreik wegen Wegnahme der Bibel

Vietnam: Verurteilte christliche Rechtsanwälte in Provinzlager verlegt

Haftverschärfung durch Isolierung –Hungerstreik wegen Wegnahme der Bibel

Thanh Hoa - Frankfurt (9. Januar 2008) – Als deutliche Haftverschärfung mit Isolierungsabsicht
stuft die Internationale Gesellschaft für Menschenrechte (IGFM) die am 3. Januar 2008 erfolgte
Verlegung der beiden christlichen Rechtsanwälte Nguyen Van Dai und Le Thi Cong Nhan in
Provinzlager weit außerhalb von Hanoi ein. Rechtsanwalt Dai befindet sich in dem „Lager Ba
Sao“ in der Provinz Ha Nam (100 km von Hanoi) und Rechtsanwältin Cong Nhan in dem
„Lager Nr. 5“ der Provinz Thanh Hoa (200 km von Hanoi). Im Berufungsverfahren im
November 2007 waren die beiden christlichen Rechtsanwälte wegen „Propaganda gegen den
sozialistischen Staat Vietnam“ zu vier Jahren bzw. drei Jahren Haft mit anschließendem vierbzw.
dreijährigem Hausarrest verurteilt worden. Durch die Verlegung ist es den Familien nicht
mehr möglich, sie einmal wöchentlich mit Lebensmitteln zu versorgen und einmal monatlich zu
besuchen, aber auch der Zugang internationaler Prozessbeobachter und der Presse ist damit
ungemein erschwert worden.
Am frühen Morgen des 3. Januar 2008 wurden die beiden Rechtsanwälte aus Hanoi
abtransportiert. Die Rechtsanwältin Le Thi Cong Nhan, die durch einen sechstägigen
Hungerstreik sehr geschwächt ist, war nach Aussagen ihrer Mutter nicht verlegungsfähig. Frau
Cong Nhan hatte mit dem Hungerstreik gegen die schlechte Versorgung in der Hanoier U-Haft,
die zum Durchfall mehrerer Mitgefangenen geführt hatte, und gegen die feindliche Stimmung
gegen sie, die durch die Wärter angestiftet wurde, protestiert. Sie teilte ihrer Mutter bei dem
ersten Besuch im neuen Gefängnis am 7. Januar 2008 mit, dass sie während des Transports
ohnmächtig geworden war. Nachdem man ihre Bibel bei der Ankunft im Lager 5 beschlagnahmt
hatte, setzte sie ihren Hungerstreik auch im neuen Gefängnis fort. Nach Aussagen der
Gefängnisverwaltung sei der Besitz von religiösen Schriften im Gefängnis nicht erlaubt. Die
Bibel wurde ihr von dem Vorsitzenden der US Kommission für Internationale Religionsfreiheit
(USCIRF) persönlich ausgehändigt, als er sie im November 2007 im Gefängnis in Hanoi
besuchen konnte.
Die Haftbedingungen im Lager Nr. 5 sind laut Aussagen von Le Thi Cong Nhans Mutter
miserabel. Politische Gefangene werden danach zusammen mit Kriminellen in einem Großraum
untergebracht. Jeder Gefangener habe einen 2,2m x 0,8m großen Platz auf dem Schlafbank. Es
gebe kein fließendes Wasser in diesem Lager. Wasser müsse jeder vom Brunnen holen. Frauen
haben keinen geschlossenen Baderaum und müssen sich daher im Freien – auch im Winter -
waschen.
Nguyen Van Dai befindet sich in dem nordvietnamesischen Lager Ba Sao, Provinz Nam Ha, wo
auch der katholische Priester Nguyen Van Ly und zahlreiche ethnische Montagnards aus dem
Süden einsitzen.
Mehr Informationen unter www.menschenrechte.de