19.07.2008
Usbekistan: Fünfzehn Jahre Gefängnis für das Lesen verbotener christlicher Bücher?
AKREF/JJ 19.7.2008 Ein Protestant aus Nukus in der Region Karakalpakstan im Nordwesen Usbekistans, Aimurat Khayburahmanov soll laut Aussage des ermittelnden Polizeioffiziers, Major Bahadur Jakbaev vom 11. Juli „innerhalb von zehn bis zwanzig Tagen“ vor Gericht gestellt werden. Das Strafverfahren stützt sich auf zwei Anklagepunkte, darunter Gründung oder Beteiligung an einer „religiösen extremistischen Organisation“, bedroht mit einer Gefängnisstrafe von bis zu 15 Jahren.
In der Region Karakalpakstan gilt ein besonders strenges Regime in religiösen Angelegenheiten. Alle nicht vom Staat kontrollierten Aktivitäten von Moslems und alle christlichen Aktivitäten außerhalb der russisch orthodoxen Kirche gelten als Straftat.
Auf die Frage, welche seiner Tätigkeiten Khayburahmanov zum Extremisten machen, erklärte Major Jakbaev gegenüber Forum 18, er hätte Menschen in seiner Wohnung versammelt, um „verbotene christliche Literatur“ zu lesen. Die Bibel sei in Usbekistan nicht verboten, einige andere christliche Bücher schon, erklärte der Polizeioffizier und bestand darauf, dass eine Gefängnisstrafe für das Lesen verbotener christlicher Bücher nicht zu streng sei.
Das zweite „Vergehen“, das Khayburahmanov zur Last gelegt wird, ist das Lehren von Religion ohne entsprechende Ausbildung oder Genehmigung (Artikel 229-2 des usbekischen Strafgesetzbuchs). Darauf stehen bis zu drei Jahre Gefängnis.
Christen aus Nukus glauben, dass die Polizei beabsichtigt, nach einer Verurteilung Khayburahmanovs auch gegen einen weiteren Christen aus dem Ort vorgehen wird, Jandos Kuandikov, der als „Komplize“ gesehen wird.
Angeblich wurde Aimurat Khayburahmanov im Gefängnis mehrmals geschlagen und gezwungen, eine Aussage niederzuschreiben, in der Jandos Kuandikov belastet wird. Bereits am 14. Juni wurde das Haus Kuandikovs durchsucht und es wurden Bücher, Videokassetten von Hochzeiten, ein Computer und Notizbücher sowie Kuandikovs Reisepass beschlagnahmt. Er selbst war nicht zu Hause.
Das Komitee für religiöse Angelegenheiten der Region Karakalpakstan war nicht bereit, zu begründen, weshalb manche christlichen Bücher in Usbekistan verboten sind.
Auch in der von vielen Touristen besuchten historischen Stadt Samarkand sind Christen erneut unter Druck. Beamte der Staatsanwaltschaft haben einige von ihnen zu Hause besucht, sie bedroht und zu Befragungen vorgeladen. Da sie aber nie schriftliche Ladungen erhielten, weigern sich die Mitglieder der örtlichen christlichen Gemeinde, zu den Befragungen zu erscheinen.
Quelle: Forum 18 News Service, Oslo