23.07.2008

Deutschland/Irak: EKD plädiert für Aufnahme von Flüchtlingen aus dem Irak

Der Bevollmächtigte des Rates der EKD, Prälat Stephan Reimers, appelliert an EU: Höchste Zeit für ein gemeinsames Zeichen der Solidarität

Deutschland/Irak: EKD plädiert für Aufnahme von Flüchtlingen aus dem Irak

Der Bevollmächtigte des Rates der EKD, Prälat Stephan Reimers, appelliert an EU: Höchste Zeit für ein gemeinsames Zeichen der Solidarität

B e r l i n (idea) -23.07.08 - Für eine Aufnahme schutzbedürftiger Flüchtlinge aus dem Irak in die Europäische Union (EU) hat sich der Bevollmächtigte des Rates der EKD, Prälat Stephan Reimers (Berlin), ausgesprochen. Er fordert Justiz- und Innenminister der EU-Mitgliedsstaaten, die am 24. Juli in Brüssel tagen, zu einem "gemeinsamen Zeichen der Solidarität" auf.

Nachdrücklich unterstütze die EKD eine entsprechende Initiative von Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble (CDU), heißt es in einer am 23. Juli in Berlin veröffentlichten Pressemitteilung der EKD. Angesichts der weiterhin angespannten Sicherheits- und Menschenrechtslage im Irak und der prekären Lebensumstände der Flüchtlinge in den Nachbarstaaten sei es höchste Zeit für ein gemeinsames europäisches Signal. Reimers: "Die finanziellen Mittel der Flüchtlinge gehen dem Ende zu; immer mehr von ihnen sind auf Nahrungsmittellieferungen durch Hilfsorganisationen angewiesen." Viele könnten auf absehbare Zeit nicht in den Irak zurückkehren. Das treffe vor allem auf Christen und Angehörige anderer religiöser Minderheiten zu, die im Irak vor Folter, Zwangskonvertierung, Vergewaltigung und Morddrohungen geflohen seien. Aber auch muslimische Flüchtlinge, etwa Eheleute aus sunnitisch-schiitischen Ehen, alleinerziehende Frauen oder Menschen, die einer besonderen medizinischen Versorgung bedürfen, könnten besonders schutzbedürftig sein.

UN: Jeden Monat fliehen 50.000 Iraker

Der EKD-Bevollmächtigte hofft auch auf weitere Schritte der EU-Staaten, um die Not der Menschen zu lindern. Sehr wichtig sei die finanzielle Unterstützung der Aufnahmestaaten in der Region: "Die Infrastruktur in Syrien und Jordanien muss ausgebaut werden, damit Flüchtlinge Zugang zum Gesundheitssystem erhalten und Flüchtlingskinder auch weiterhin die Schule besuchen können." Sollte eine Lösung für die gesamte EU nicht zustande kommen, sei Deutschland dennoch in der Pflicht, Flüchtlinge aufzunehmen. Dem Hochkommissariat der Vereinten Nationen für Flüchtlinge UNHCR zufolge fliehen jeden Monat etwa 50.000 Iraker aus ihrer Heimat. Rund 75.000 leben mittlerweile in Deutschland, mehr als 10.000 von ihnen sind Christen. Im Irak lebten am Ende der Ära des Diktators Saddam Hussein etwa 800.000 Christen. Seither hat mehr als die Hälfte der christlichen Bevölkerung das Land verlassen. Von den 26,7 Millionen Einwohnern des Iraks sind 95 Prozent Muslime.