03.06.2008
Ägypten: Verschärfte Spannungen zwischen Muslimen und Christen
Islamistischer Mob griff koptisches Kloster in der Provinz Minya an -Empörung in Kairo über Mord an einem koptischen Juwelier und dreien seiner Angestellten
Ägypten: Verschärfte Spannungen zwischen Muslimen und Christen
Islamistischer Mob griff koptisches Kloster in der Provinz Minya an -Empörung in Kairo über Mord an einem koptischen Juwelier und dreien seiner Angestellten
Kairo/Ägypten, 03.06.2008 (KAP) Nach dem Mord an vier koptischen Christen in Kairo am vergangenen 28. Mai haben sich die Spannungen zwischen Muslimen und Christen in Ägypten verschärft. Die "Gesellschaft für bedrohte Völker" (GfbV) teilte am Dienstag mit, in der Ortschaft Deir Abu Fana in der Provinz Minya hätten bewaffnete Islamisten am Samstag ein koptisches Kloster angegriffen. Drei Mönche wurden verschleppt, misshandelt und zum Teil schwer verletzt, bevor sie befreit werden konnten. Einen anschließenden friedlichen Protestmarsch von rund 300 Kopten habe die Polizei unter Einsatz von Schusswaffen aufgelöst.
Dabei sollen ein Muslim getötet und vier Christen verletzt worden sein. Acht Kopten seien festgenommen worden, unter ihnen auch der koptische Bauunternehmer, der mit der Restaurierung des Klosters Abu Fana beauftragt wurde. Die Muslime wollen die Instandsetzung des Klosters und die Wiedererrichtung der Klostermauer verhindern.
"Die ägyptischen Behörden leugnen den religiösen Hintergrund der Auseinandersetzungen und behaupten, der Konflikt habe privaten Charakter", sagte der GfbV-Nahostreferent Kamal Sido: "Doch so soll vertuscht werden, dass die Lage zwischen Christen und Muslimen äußerst angespannt ist". Deshalb habe sich die GfbV am Dienstag an christliche Institutionen in 35 westlichen Ländern mit dem Appell gewendet, gegen die zunehmende Diskriminierung der Christen in Ägypten zu protestieren. In Deir Abu Fana hatte es bereits im Oktober 2007 einen ähnlichen Vorfall gegeben, bei dem 20 Personen verletzt wurden. In der Stadt leben viele Christen und es gibt dort verschiedene Klöster, die von den Kopten besonders verehrt werden.
Bereits am Mittwoch waren in dem Stadtviertel Zeitouna im Nordosten von Kairo der 60-jährige Juwelier Makram Galil und drei seiner Angestellten erschossen worden. Die beiden Täter flüchteten nach der Tat auf einem Motorrad. Ersten Ermittlungen zufolge wurde nichts gestohlen. Der Stadtteil ist bekannt für seinen hohen christlichen Bevölkerungsanteil.
Christen stellen rund zehn Prozent der etwa 70 Millionen ägyptischen Staatsbürger. Die Mehrheit der Christen gehört der koptisch-orthodoxen Kirche an.
Quelle: Katholische Presseagentur Kathpress, Wien/Österreich.