03.06.2008
China: Trotz Verfolgung wächst die Kirche im Olympialand
China-Experte Johnny Li über die zwei Gesichter der Kirche in China
China: Trotz Verfolgung wächst die Kirche im Olympialand
China-Experte Johnny Li über die zwei Gesichter der Kirche in China
KELKHEIM, 09. Mai 2008 – Die Kirche in China hat zwei Gesichter: Einerseits betonen Repräsentanten der staatlich erlaubten Drei-Selbst-Patriotischen Kirche eine verbesserte Religionsfreiheit in China. Andererseits geht die Regierung besonders im Vorfeld der Olympischen Spiele gegen nicht anerkannte Hausgemeinden vor. Um die Situation der Christen in China und speziell die der Hausgemeinden darzustellen, hat das Hilfswerk für verfolgte Christen Open Doors (Kelkheim bei Frankfurt am Main) den Hongkong-Chinesen und Kirchenkenner Johnny Li nach Deutschland eingeladen. Mit einer Vortragsreise unter dem Motto „Vom Gangster zur Stimme der Verfolgten“ wird der 51-Jährige vom 22.Mai bis 1.Juni 2008 in Kirchen und Gemeinden (siehe Termine) auch über die vor der Olympiade verstärkte Verfolgung von Christen durch die Regierung berichten. „Die Kirche in China braucht weiter die Unterstützung der Christen weltweit. Trotz staatlicher Schikanen kann das Wachstum der Untergrundkirche nicht gestoppt werden“, so Johnny Li. Jedes Jahr sollen nach Informationen von Open Doors drei bis fünf Millionen Chinesen Christen werden. Das Werk hat eine bis zum Sportereignis laufende weltweite Olympia-Gebetskampagne initiiert, um u. a. für die Freilassung von gefangenen Christen sowie für einen uneingeschränkten Zugang zu Bibeln, Kinderbibeln und Studienmaterialien für alle chinesischen Christen und Straffreiheit für die Herstellung und Verteilung christlicher Literatur zu beten. Seit dem Start der Gebetsaktion Anfang des Jahres haben sich bereits Hunderte aus Deutschland, Österreich und der Schweiz bereit erklärt, wöchentlich zehn Minuten für China zu beten.
Stimme der Verfolgten
Li ist seit Jahren für das Hilfswerk in Projekten zur Stärkung der Hausgemeindebewegung in China aktiv und als „Stimme“ für verfolgte Christen in China weltweit unterwegs. Der in Hongkong geborene Christ geriet wegen der Verteilung von Bibeln an chinesische Hausgemeindechristen und anderer kirchlicher Aktivitäten in China ins Visier des Büros für öffentliche Sicherheit (PSB). Vor zwölf Jahren verließ er mit seiner Familie Hongkong, da ihm bei weiteren Reisen nach China die Verhaftung drohte. Vor seiner Hinwendung zum Christentum mit 16 Jahren war Li Mitglied einer Bande des organisierten Verbrechens.
Hausgemeinden im Visier
Laut Johnny Li können in der Volksrepublik zwar Mitglieder einer Drei-Selbst-Kirche ungestraft Gottesdienste besuchen oder hätten Zugang zu Bibeln, doch würden viele Hausgemeindechristen immer wieder festgenommen oder unter Hausarrest gestellt. Nach Angaben von Open Doors gibt es rund 80 Millionen Christen in China, die meisten gehören der wachsenden Hausgemeindebewegung an. Im Vorfeld der Olympiade hat die Regierung besonders in den Austragungsstädten viele Gemeinden geschlossen, Gemeindeleiter unter Hausarrest gestellt, Christen verhaftet oder in Umerziehungslager deportiert. Einige Hilfsdienste von Open Doors wurden aus Sicherheitsgründen vorerst eingestellt.