17.06.2008
China: Kardinal Zen verlangt Veränderung der überholten Religionspolitik
Rom-Hongkong, 26.5.08 (KAP) Einer Normalisierung zwischen Peking und dem Vatikan steht nach Einschätzung von Kardinal Joseph Zen Ze-kiun das "Fehlen echter Religionsfreiheit" in China im Wege. Wenn man heute volle diplomatische Beziehungen aufnähme, hieße das, "eine Religionspolitik zu legitimieren, die den Gläubigen keine effektive Freiheit gewährt", sagte der Bischof von Hongkong in einem Interview mit der Turiner Tageszeitung "La Stampa". Eine Lösung wäre nur in Sicht, wenn Peking seine bisherige Strategie gegenüber den Religionen grundsätzlich ändert
Kardinal Zen meinte wörtlich: "Ich wünsche mir, dass der aufgeschlossenere Teil der politischen Führung - der im Ausland studiert hat oder in die Welt gereist ist - dem gesamten Establishment gegenüber deutlich macht, dass die aktuelle Religionspolitik überholt und veraltet ist, nicht auf der Höhe der Zeit für ein modernes und wichtiges Land wie China". Größtes Problem für die katholische Kirche sei nach wie vor die Ernennung von Bischöfen, in die sich die Regierung bis heute einmische.
Zwischen den beiden Strömungen in der katholischen Kirche in China, der staatlich anerkannten "Patriotischen Vereinigung chinesischer Katholiken" (PACC) und der sogenannten Untergrundkirche zeichnet sich nach Worten Zens derzeit eine Annäherung ab. Die allergrößte Mehrheit der Bischöfe - einschließlich der illegitim geweihten - sei vom Vatikan anerkannt und stehe in Gemeinschaft mit dem Papst.
Einfluss des Papst-Briefes
Zu dieser Annäherung habe vor allem der Brief des Papstes vom vergangenen Sommer mit seinem Appell zu Einheit und Aussöhnung beigetragen, unterstrich der Kardinal. Der Papst habe deutlich gemacht, dass die Kirche nicht die Absicht habe, die Politik in China umzukippen; sie strebe auch keine Privilegien an. Die Kirche wolle nur ihre Mission zum Wohl der Katholiken und der gesamten chinesischen Gesellschaft ausüben.
Zen betonte, dass die Kirche in Hongkong am Sonderstatus der einstigen britischen Kronkolonie Anteil habe. Sie genieße volle Freiheit und könne überall frei operieren. Von den sieben Millionen Bewohnern seien 300.000 Katholiken; jährlich gebe es 2.500 Taufen.
Die Kirche unterhalte 300 sehr anerkannte Schulen und leiste eine umfassende Sozial- und Caritasarbeit. Eine "chinesische Theologie" gibt es nach Einschätzung des Kardinals bislang nicht. Seit einem halben Jahrhundert lebe die Kirche unter Bedingungen, in denen das Bemühen um eine Einbettung der Theologie in den lokalen Kontext "noch ein Luxus" wäre. Richtig sei aber auch, dass die Missionare im 19. Jahrhundert das Evangelium aus einer westlichen Mentalität heraus vorgetragen und dabei manche Fehler begangen hätten. Sobald sich eine Normalität einstelle, sei es an der Zeit, Schritte für die Entwicklung einer "echten chinesischen Theologie" einzuleiten, so Zen.
Quelle: Katholische Presseagentur Kathpress, Wien/Österreich. Recherche & Zusammenstellung: APD Schweiz.