17.06.2008

Tschechien: Katholischer Erzbischof warnt vor Scheitern des Restitutionsgesetzes

"Öffentliche Meinung ist jetzt für die Kirche, auch wenn die Medien gegen sie arbeiten"

Tschechien: Katholischer Erzbischof warnt vor Scheitern des Restitutionsgesetzes

"Öffentliche Meinung ist jetzt für die Kirche, auch wenn die Medien gegen sie arbeiten"

Prag/Tschechische Republik, 28.05.2008 (KAP) Der Vorsitzende der katholischen Tschechischen Bischofskonferenz, Erzbischof Jan Graubner, hat vor einem Scheitern des Restitutionsgesetzes gewarnt. Graubner äußerte sich bei einer Pressekonferenz in Prag.

Jetzt einen Rückzieher zu machen, wäre für die Regierung zwar "bequemer, aber nicht ehrenvoller", erklärte der Erzbischof: "Beide Seiten sind noch nie so weit gekommen wie jetzt. Die öffentliche Meinung ist zugunsten der Kirche umgeschlagen - obwohl viele Massenmedien gegen sie arbeiten".

Die Mehrheit der Politiker erkenne heute an, dass das Problem gelöst werden müsse, betonte der Erzbischof. Man sehe ein, dass die Kirche, wenn sie vom Staat unabhängig werden soll, dafür "eine gewisse wirtschaftliche Grundlage" benötige.

Der "Widerstand jener, die die Kirche in der Vergangenheit beraubten, sie vernichten wollten und jetzt behaupten, ihr habe nie etwas gehört", sei nicht weiter überraschend. Es meldeten sich aber auch Stimmen zu Wort, die "sich scheinbar um die Kirche sorgen und behaupten, sie müsse arm sein und würde an Glaubwürdigkeit verlieren, wenn sie über Eigentum" verfüge. Tatsächlich jedoch hätten sie Angst, dass die Kirche auch Einfluss haben könne.

Graubner unterstrich auch das Entgegenkommen der Kirche, die das Risiko einer Auszahlung der Wiedergutmachungsbeträge über einen Zeitraum von 60 Jahren in Kauf nehme. Auch verzichte die katholische Kirche "auf einen beträchtlichen Betrag zugunsten der anderen Kirchen, die nicht über genügend Eigentum verfügten und ohne staatliche Unterstützung in Bedrängnis kämen".

Konkrete Pläne für die Verwendung der Restitutionsgelder habe die Kirche noch keine, denn es habe keinen Sinn "den Bären aufzuteilen, solang er im Wald herumläuft". Jedenfalls würden "keine Paläste gebaut werden".

Ein Großteil der Gelder würde für die laufenden Ausgaben der zentralen Einrichtungen der Kirche aufgewendet werden. Eine Priorität seien aber die kirchlichen Schulen. Ihr laufender Betrieb werde zwar vom Unterrichtsministerium bezahlt, für Investitionen müssten jedoch die Kirchen aufkommen.

Ausdrücklich bekannte sich der Vorsitzende der Tschechischen Bischofskonferenz zur Zusammenarbeit mit dem Staat auf karitativem Gebiet. Es gebe Bereiche, in denen die Rolle der katholischen Kirche unersetzlich sei. So herrsche "bezüglich des Dienstes an den Sterbenden in der Gesellschaft ein derartiges Desinteresse, dass von den zwölf gut funktionierenden Hospizen zwölf kirchlich sind".

Im Bereich des Denkmalschutzes sei die Mitwirkung des Staates unverzichtbar, da die früheren Kirchenpatronate nicht wiederherzustellen seien. Restitutionsverhandlungen zu führen sei "für einen Bischof keine Freude", viel lieber würde er sich der Seelsorge widmen, betonte Graubner.

Quelle: Katholische Presseagentur Kathpress, Wien/Österreich.