20.06.2008

Ägypten: Gewalt gegen Christen nimmt zu

Angriff auf Kloster in Abu Fana

Ägypten: Gewalt gegen Christen nimmt zu

Angriff auf Kloster in Abu Fana

Kairo / Göttingen (idea) 04.06.2008 – In Ägypten haben sich die Spannungen zwischen Muslimen und Christen nach dem Mord an vier koptischen Christen in Kairo am 28. Mai verschärft.Bewaffnete Muslime griffen am 31. Mai ein Kloster in der rund 210 Kilometer südlich vonKairo gelegenen Ortschaft Deir Abu Fana in der Provinz Minya an. Drei Mönche wurdenverschleppt, misshandelt und zum Teil schwer verletzt, bevor sie befreit werden konnten, teiltedie Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV) am 3. Juni in Göttingen mit. Einen anschließenden friedlichen Protestmarsch von rund 300 Kopten habe die Polizei unter Einsatz ihrerSchusswaffen aufgelöst. Dabei soll ein Muslim getötet und vier Christen verletzt worden sein.Acht Kopten seien festgenommen worden, unter ihnen auch der Bauunternehmer, der mit derRestaurierung des Klosters Abu Fana beauftragt war. Die Muslime wollen die Instandsetzungdes Klosters und die Wiedererrichtung der Klostermauer verhindern. „Die ägyptischenBehörden leugnen den religiösen Hintergrund der Auseinandersetzungen und behaupten, derKonflikt habe privaten Charakter“, erklärte der Nahostreferent der GfbV, Kamal Sido. So sollevertuscht werden, dass die Lage zwischen Christen und Muslimen äußerst angespannt sei. Die GfbV appellierte an christliche Institutionen in 35 westlichen Ländern, gegen die zunehmendeDiskriminierung von Christen in Ägypten zu protestieren. In Deir Abu Fana hat es bereits imvergangenen Oktober einen ähnlichen Vorfall gegeben, bei dem 20 Personen verletzt wurden.

 

Juwelier erschossen – nichts gestohlen

Am 28. Mai waren im Kairoer Stadtviertel Zeitouna der 60 Jahre alte Juwelier Makram Galil und drei seiner Angestellten erschossen worden. Die beiden Täter flüchteten nach der Tat auf einem Motorrad. Ersten Ermittlungen zufolge wurde nichts gestohlen. Der Stadtteil ist bekanntfür seinen hohen christlichen Bevölkerungsanteil. Im Herbst 2007 waren die Kopten SadakJamak und Karam Andraus im christlichen Dorf El Kosheh südlich von Kairo ermordet worden.

Christen stellen mit schätzungsweise acht bis zehn Millionen Menschen rund acht Prozent deretwa 79 Millionen ägyptischen Staatsbürger. In ihrer Mehrheit sind die Christen Kopten, vor allem orientalisch Orthodoxe. Es gibt aber auch einige koptische Katholiken. Die griechisch-orthodoxe, griechisch-katholischen und protestantisch-arabische Christen bilden jeweils kleine Gemeinschaften.