20.06.2008
Indonesien: Islamisten bedrängen Christen wie Ahmadiyya
Java/12.06.2008 - 1. Am 1. Juni 1945 hatte Sukarno (Staatsgründer und später erster indonesischer Präsident) die Pancasila („Fünf Säulen“) zur Staatsphilosophie bzw. –ideologie der künftigen Republik Indonesien erklärt; die Pancasila garantiert u.a. das friedliche Zusammenleben der Religionen. Am 1.6.2008 hatte die “Nationale Allianz für Glaubens- und Gewissenfreiheit” (“Aliansi Kebangsaan untuk Kebebasan Beragama dan Berkeyakinan“ - AKKBB) eine Gedenkveranstaltung in der Hauptstadt Jakarta organisiert. Dabei forderten sie Glaubens- und Gewissenfreiheit nicht nur für Christen, Muslime, Hindus usw., sondern auch für die islamische Ahmadiyya-Sekte. Die “Islamische Verteidigungsfront” (“Front Pembela Islam” - FPI) und andere fundamentalistische Gruppen fordern schon lange das Verbot der Ahmadiyya und haben einen entsprechenden Gesetzentwurf eingebracht, weil die Ahmadiyya von der Lehre des orthodoxen Islams abweiche. Außerdem ist die FPI maßgeblich an den Kirchenschließungen in Indonesien in den letzten Jahren beteiligt: Am 6.5. versuchte z.B. die FPI eine Batakkirche im mehrheitlich christlichen Nordsumatra niederzureißen; am 4.6. versuchte FPI, den Baptistenpastor Bedali Hulu in der Provinz Banten (Westjava) zu ermorden, seine Gemeinde wird schon seit 18 Monaten von der FPI eingeschüchtert. Deshalb fühlte sich die FPI auch von der friedlichen Kundgebung der AKKBB am 1.6. provoziert und reagierte gewalttätig: Ca. 70 Teilnehmer der friedlichen Kundgebung wurden verletzt, darunter auch führende islamische Geistliche. Ein Kommandant der FPI dazu: “Wer uns provoziert, muss zum Krieg bereit sein!”
Dieser Übergriff löste eine Welle der Entrüstung im ganzen Land aus. Gemäßigte islamische Gruppen organisieren Kommandos, die die fundamentalistisch-islamische FPI auflösen oder zerschlagen sollen. In allen größeren Städten auf Java versammeln sich Tausende von Demonstranten, die das Verbot der FPI fordern. Die FPI in den Städten Jember und Probolinggo (beide in Ostjava) haben sich dem gesellschaftlichen Druck bereits gebeugt und ihre Ortsgruppe aufgelöst. Wir beten, dass die gemäßigten islamischen Gruppen und die Sicherheitskräfte endlich entschlossen gegen FPI und andere fundamentalistische Gruppen vorgehen, dass die Ursachen dieser Radikalisierung angegangen werden und die Christen trotz allem mutig ihren Glauben bezeugen.
„Christliche Insel“ unter Druck
Die Stadt Salatiga ist wie eine „christliche Insel“ im islamischen Java (Ca. 10-20% der Indonesier sind Christen, auf Java aber nur ca. 3-5%, in Salatiga jedoch ca. 30-40%). Nach demTod des islamischen Bürgermeisters ist der christliche Vizebürgermeister als Bürgermeister nachgerückt, ausserdem sind viele leitende Stellungen in Polizei, Militär und Stadtverwaltung von Christen besetzt. Deshalb fühlen sich die Muslime diskriminiert und haben am 2.3.2008 vor dem Rathaus (gegenüber der GKJTU-Kirche!) demonstriert und den Rücktritt des christlichen Bürgermeisters gefordert. Ausserdem forderten sie, dass ein grosses christliches Freizeitgelände am Stadtrand einer muslimischen Organisation übergeben werden sollte.
Quelle: Aktuelle Nachrichten aus Java, No. 92 12.06.2008 (zusammengestellt von Ch. & K.P.N. Gossweiler