07.03.2008
Gazastreifen: Mörder des christlichen Buchladenleiters weiter unbekannt
Bombenanschlag auf christliche Bücherei – Tausende Bücher wurden zerstört
Gazastreifen: Mörder des christlichen Buchladenleiters weiter unbekannt
Bombenanschlag auf christliche Bücherei – Tausende Bücher wurden zerstört
BETHLEHEM, 19. Februar 2008 – Noch immer gibt es keine hinreichenden
Ermittlungsergebnisse im Fall des Anfang Oktober 2007 im Gazastreifen ermordeten
Buchladenleiters der Palästinensischen Bibelgesellschaft Rami Ayyad. Unterdessen verübten in
den Morgenstunden des 15. Februar maskierte bewaffnete Unbekannte in Gaza einen
Bombenanschlag auf die CVJM-Bücherei. Tausende Bücher wurden zerstört und zwei
Wachmänner kurzzeitig entführt. Ein zweiter Sprengsatz, der in einem Verwaltungsbüro lag,
explodierte nicht. Verletzt wurde niemand. Die Witwe von Rami Ayyad, Pauline, hat
inzwischen ihr drittes Kind, ein Mädchen, zur Welt gebracht. Frau Ayyad war im fünften Monat
schwanger als bislang Unbekannte ihren Mann entführten und brutal töteten. Bislang wurden
trotz Zusagen des Hamas-Führer Ismail Haniyeh die Mörder nicht ermittelt. „Anfangs sagten
uns die Beamten, sie hätten das Auto gefunden, in dem Rami verschleppt wurde und auch die
Leute, die mit ihm im Wagen waren", sagte Pauline Ayyad dem Informationsdienst Compass
Direct. „Sie sagten, sie hätten den Fahrer noch nicht gefasst, kennen aber seinen Namen. Wir
hörten auch, der Mörder habe gestanden und der Fall würde der nationalen Behörde für innere
Sicherheit übergeben." Doch eine Woche später, so die Witwe, hätten sie Widersprüchliches
gehört. Es wurde behauptet, niemand sei als Schuldiger ausgemacht, sondern es würde lediglich
Verdachtsmomente geben. Sicherheitsbeamte der Fatah hätten Ashraf Abu Layla beschuldigt,
hinter Ayyads Ermordung zu stehen. Abu Layla ist Chef des „militärischen Flügels" der Hamas
in Zentral-Gaza. Seine Brigaden wollen das islamische Recht im Gazastreifen durchsetzen. Ein
anderes Gerücht besagte, der Mörder sei ein Hamas-Kämpfer gewesen. Man habe ihn drei
Wochen lang inhaftiert und dann nach Saudi-Arabien ins Exil geschickt.
Familien flüchteten
Nach Ayyads Ermordung räumten Hamas-Beamte ein, sie könnten die Sicherheit der
Angestellten der Bibelgesellschaft und ihrer Familien, die weiterhin Drohungen erhielten, nicht
gewährleisten. Sieben Familien durften den Gazastreifen zeitweilig verlassen und zogen ins
Westjordanland. Sie leben dort sehr spartanisch und werden seelsorgerlich betreut. „Wir fühlen
die Spannungen zwischen den Muslimen und Christen in Gaza", sagte ein Evakuierter. „Viele
Muslime glauben, Rami habe Menschen evangelisiert, so dass es in Ordnung war, ihn zu töten."
Nach Auskunft des Leiters der Palästinensischen Bibelgesellschaft (Jerusalem), Labib Madanat,
sei Rami kein Opfer, sondern ein Held gewesen. Auch Ayyads Witwe sei heldenhaft: „Sie
möchte im Gazastreifen bleiben und Ramis Dienst fortsetzen."
Compass Direct