05.11.2008

Indien: 500 Tote bei Ausschreitungen extremistischer Hindu-Gruppen gegen Christen

NEU DELHI, 5. November 2008 (ZENIT.org).- Vertreter der Landesregierung des indischen Unionsstaates Orissa haben zugegeben, dass die Ausschreitungen extremistischer Hindu-Gruppen gegen die Christen bisher mindestens 500 Tote gefordert haben.

Das berichtete eine Gruppe von Politikern der Kommunistischen Partei Indiens (CPI), die Mitte Oktober Nachforschungen im Bezirk Kandhamal durchgeführt hatten, dem Brennpunkt der Ausschreitungen in Orissa, gegenüber der Nachrichtenagentur Asianews. Ein indischer Beamter habe zugegeben, die Kremation von 200 Leichen angeordnet zu haben, heißt es in dem Bericht. Die kommunistischen Politiker besuchten auch Flüchtlingslager für Christen und sprachen mit hohen Polizeifunktionären und Richtern.Ihre Nachforschungen ergaben, dass die bisherigen Angaben der von radikalen Hindus gestellten Landesregierung von Orissa offensichtlich nicht der Wahrheit entsprechen. Offiziell war man in Kandhamal nämlich von 31 christlichen Todesopfern ausgegangen.In den 15 Flüchtlingslagern, in denen sich rund 13.000 Vertriebene aufhalten sollen, mangle es trotz offizieller Dementi der Regierung an Nahrungsmitteln und medizinischer Versorgung. Unter den Christen herrsche eine „Atmosphäre des Schreckens", niemand wage die Rückkehr in die Heimatorte. Die extremistischen Gruppierungen hätten bewaffneten Widerstand gegen die Polizei angekündigt; gleichzeitig würden aber die vertriebenen Christen von den Verantwortlichen der Flüchtlingslager zur Rückkehr in ihre Heimatdörfer gedrängt, „weil das Leben wieder normal" sei.Es gebe eindeutige Hinweise darauf, dass die hindu-nationalistische Bewegung „Vishwa Hindu Parishad" (VHP) gemeinsam mit ihrer Jugendorganisation „Bajrang Dal" seit geraumer Zeit die antichristlichen Pogrome geplant habe, erklärten die CPI-Politiker in der Novemberausgabe der indischen Zeitschrift „Liberation“, dem Nachrichtenorgan der kommunistischen Partei. Die indische Bundesregierung müsse die beiden Organisationen daher verbieten.„Es erfüllt uns mit Schmerz, dass sowohl die Landesregierung als auch die Bundesregierung so spät auf die anhaltende Gewalt gegen Christen in Orissa reagiert haben", erklärte Bischof Thomas Thiruthalil aus dem indischen Balasore, Vorsitzender der regionalen Bischofskonferenz. In einem Hirtenbrief, den er zusammen mit anderen Bischöfen verfasste, schreibt er nach Angaben der päpstlichen Nachrichtenagentur Fides unter anderem: „Wir sind traurig darüber, dass die Regierungen in Neu Delhi und Bhubaneshwar bei der Umsetzung der ihnen verfassungsrechtlich obliegenden Pflichten so erbärmlich versagt haben."