01.09.2008

Ägypten: Der Staat duldet und fördert die Diskriminierung von Christen

Frankfurt/IGFM - 2.9.2008 - Nichtregierungsorganisationen, die es doch gewagt haben, koptische Themen zu dokumentieren oder zu kommentieren, wurden geschlossen oder wegen Gefährdung der nationalen Einheit und Beschmutzen des Rufs Ägyptens gegenüber dem Rest der Welt vor Gericht gestellt.Michael Meunier wurde 1968 in Ägypten geboren und gehörte dort zur christlichen Minderheit. 1990 wanderte er in die USA aus, wo er an der Virginia Tech University Ingenieurswissenschaften studierte. Meunier ist Experte für Ägypten und den Mittleren Osten, gründete 2003 das "Center for Freedom in the Middle East", und bereits 1996 die "U.S. Copts Association", die in den USA mehr als 700.000 ägyptische Christen vertritt und dessen Vorsitz er momentan innehat. Er ist Vorstandsmitglied der Fernsehstation Tele-Lumiere/Noursat International, die im Mittleren Osten sendet.

Herr Meunier, Sie sind als Christ in einem islamischen Land aufgewachsen. Haben Sie persönlich dort Diskriminierung oder andere Formen von Benachteiligung erfahren?

Meunier: Selbstverständlich. Ich bin in der südlichen Stadt Abu Qurkas aufgewachsen, wo ein größerer Teil der Christen lebt. Täglich konnte ich die Auswirkungen von Diskriminierung spüren angefangen vom Ausschluss aus dem heimischen Fußballteam bis zum Klassenzimmer, in dem wir (ich und weitere 4 Christen) ganz hinten sitzen mussten, weil der Lehrer nicht 'jeden Tag als erstes fünf Ungläubigen ins Gesicht schauen' wollte. 

Sie sind 1990 in die USA ausgewandert. Was hat letztlich den Ausschlag gegeben, Ägypten zu verlassen? 

Meunier: Ich muss sagen, es waren sowohl wirtschaftliche Nöte als auch die Religionsfreiheit, die mich dazu brachten. Wobei wirtschaftliche Not und Mangel an Gelegenheiten ein direktes Ergebnis von Diskriminierung in Ägypten sind. Christliche Jugendliche erhalten so gut wie keine Möglichkeiten, im öffentlichen Sektor voranzukommen. Die ägyptische Regierung verfolgt ausgesprochen diskriminierende Regelungen, was Einstellung oder Beförderung angeht.

Wandern immer noch viele Kopten aus?

Meunier: Das liegt natürlich immer bei den Einwanderungsbedingungen der aufnehmenden Länder. Allerdings beobachten wir, dass doch die meisten Kopten auswandern würden, wenn sie