10.09.2008

Indien: Angriffe auf Christen in mehreren Bundesstaaten

Indien/Bundesstaat Karnataka: Pastoren sollen Hindus zwangsbekehrt haben

(10. September 2008) - In Davengere im südindischen Bundesstaat Karnataka überfielen rund 100 Extremisten der hindu-nationalistischen Organisation Bajrang Dal einen Gottesdienst. Der Vorfall ereignete sich am 17. August. Die Angreifer zerstörten Einrichtungsgegenstände und Musikinstrumente. Der Gesamtrat indischer Christen (GCIC) berichtete, dass die u. a. von Deepak Ranode, dem Leiter des Vishwa Hindu Parishad (VHP – Hindu-Weltrat), angeführten Männer zudem die Kirchenbesucher bedrängten, den Pastor und weitere Christen zu beschuldigen, Hindus zur Bekehrung zum Christentum verführt zu haben. Als sich die Christen weigerten, gingen die mit Stöcken bewaffneten Extremisten auf sie los. Der 50-jährige Rodrappa sowie die 25-jährige Ramesh mussten im Krankenhaus behandelt werden.

Bei einem weiteren Überfall im Bezirk Davengere am 12. August bewarfen rund 200 Anhänger zweier Hindugruppen das Haus von Pastor Prem Kumar. Die Angreifer verlangten, dass er und zwei weitere Pastoren die Gegend verlassen sollten. Wegen angeblicher Verletzung der religiösen Gefühle von Hindus wurden am 11. August in Davangere Pastor Rajendra Gowda und der Evangelist Kumara verhaftet. Beide sollen abfällige Bemerkungen über Hindu-Götter gemacht haben, nachdem Extremisten sie und ihre Hauskirche in Yemanna Bethur bei einem Gebetstreffen angegriffen und die Gemeinde verjagt haben. Mit gefesselten Händen wurden die Christen unter Schlägen zur Polizeistation gebracht. Am 13. August kamen die beiden frei.

Indien/Bundesstaat Chhattisgarh: Pastor verprügelt

(10. September 2008) - Drei radikale Hindus griffen am 10. August im Bezirk Rajnandgaon im ostindischen Bundesstaat Chhattisgarh Pastor Dev Kumar Sahu an. Dr. Sajan K. George vom Gesamtrat indischer Christen zufolge wollte Sahu Hausgemeinden im Dorf Chalaty besuchen. Auf dem Weg dorthin wurde er an einem Teestand von dem wütenden Hindu Tulsi Ambade über den Grund seines Besuches im Dorf befragt und der Zwangsbekehrung von Hindus bezichtigt. Zwei weitere Männer kamen hinzu, die auf den Pastor einschlugen, bis er zusammenbrach. Sahu musste medizinisch versorgt werden. Nach Intervention von Dr. Sajan K. George kam es zu einem Kompromiss zwischen dem Pastor und den Angreifern: Tulsi will die Christen im Dorf nicht mehr drangsalieren und Pastor Sahu zog seine Anzeige zurück.

Indien/Bundesstaat Andhra Pradesh: „Jesus-Film“ führt zu Ausschreitungen

(10. September 2008) – Anhänger der Bharatiya-Janata-Partei griffen am 27. Juli in Janagam im indischen Bundesstaat Andhra Pradesh einen Pastor und mehrere christliche Mitarbeiter an, die einen Film über Jesus Christus vorführten. Wie der Gesamtrat indischer Christen berichtete, stürmten 20 wütende Hindu-Extremisten in das Haus von Pastor Devadanams und zerstörten vor den rund 100 Zuschauern die Filmleinwand sowie den Projektor, Lautsprecher und Möbel. Der Pastor wurde mit dem Tod bedroht, sollte er den Film weiter zeigen. Devadanam erstattete Anzeige; sechs Männer wurden zur Polizeiwache gebracht. Nach einer Verwarnung wurden sie entlassen.

Indien/Bundesstaat Madhya Pradesh: Gebetstreffen gestürmt

(10. September 2008) - Am 15. August wurden zwei Christen im Bezirk Ratlam im zentralindischen Bundesstaat Madhya Pradesh nach dem so genannten Religionsfreiheitsgesetz wegen „Zwangsbekehrung" von Hindus verhaftet. Rund 35 extremistische Hindus hatten zuvor ein von der Union evangelischer Studenten in der Bartholomäus-Kirche im Gebiet Railway Colony organisiertes Gebetstreffen gestürmt. Wie der Gesamtrat indischer Christen meldete, waren am Unabhängigkeitstag Indiens fast 75 Christen aus verschiedenen Gruppen (darunter Jugend mit einer Mission und World Vision) zusammengekommen. Die Extremisten verprügelten und verjagten sie. Einige Christen wurden gezwungen, sich bei der Polizei zu melden.

Indien/Bundesstaat Madhya Pradesh: Ehepaar der Zwangsbekehrung von Hindus beschuldigt

(10. September 2008) – Im Beisein von Polizisten verprügelten Mitglieder radikaler Hindugruppen am 3. August Pastor Sam Oommen und seine Familie in Jayprakash Nagar Adhartal/Bezirk Jabalpur in dessen Haus. Extremisten und Polizisten brachten den 43-jährigen Pastor der Hausgemeinschaft einer Full Gospel Church, seine Frau Jessy Sam und die beiden Kinder zur Polizeistation Adhartal, wo das Ehepaar der Zwangsbekehrung von Hindus beschuldigt wurde. Die Kinder wurden nach Hause geschickt. Nach Aussagen eines Polizisten, habe der Elektriker Hemant Kumar Sahu das Paar angezeigt, das er im Mai bei Elektroarbeiten in ihrem Haus kennen lernte. Er erzählte der Polizei, Pastor Oommen und seine Frau hätten ihn unter dem Vorwand, für seine kranke Mutter zu beten, „einer Gehirnwäsche unterzogen". Zudem sollte er Hindugöttern abschwören und ihre Bilder entfernen. Das Paar hätte außerdem versprochen, die Arzt- und Arzneimittelkosten seiner Mutter zu bezahlen. Der Elektriker habe daraufhin Anhänger der hinduistischen Gruppe Abhinav Bharat informiert, die sich mit anderen zu einer Protestdemonstration zusammenschlossen. Vor örtlichen Medien beschuldigte der stellvertretende Vorsitzende der Abhinav Bharat die Kirche, illegal zu arbeiten. Christliche Missionare würden sich verschwören, um die gesamte Gegend zu bekehren. Pastor Oommen und seine Frau, die am 6. August auf Kaution frei kamen, wiesen die Vorwürfe zurück. Die Kirche wurde von der Polizei geschlossen und bewacht.

Compass Direct/OpenDoors