24.09.2008
Türkei: Orthodoxer Patriarch bekräftigt erneut Wunsch für EU-Mitgliedschaft
Wiedereröffnung der Theologischen Hochschule auf Chalki ist Vorbedingung für einen EU-Beitritt Ankaras
Türkei: Orthodoxer Patriarch bekräftigt erneut Wunsch für EU-Mitgliedschaft
Wiedereröffnung der Theologischen Hochschule auf Chalki ist Vorbedingung für einen EU-Beitritt Ankaras
Brüssel/Belgien, 24.09.2008 (KAP/APD) Der Ökumenische Patriarch Bartholomaios I. hat sich erneut für eine Vollmitgliedschaft der Türkei in der EU ausgesprochen. Das Land müsse allerdings die Kriterien für einen Beitritt erfüllen, sagte das Oberhaupt der Weltorthodoxie am 24. September im Europaparlament in Brüssel. Dass es sich bei der Türkei um ein mehrheitlich muslimisches Land handele, dürfe kein Hinderungsgrund sein. Mit seiner Forderung nach einem vollen EU-Beitritt sei er sich mit der großen Mehrheit der türkischen Bevölkerung einig, so der Patriarch. Die großen Religionen könnten dazu beitragen, Nationalismus und Fundamentalismus zu überwinden.
Bartholomaios I. bemängelte Defizite der Türkei bei den Menschenrechten und besonders im Bereich der Religionsfreiheit. Vor allem verlangte er eine Wiedereröffnung des 1971 von den türkischen Behörden geschlossenen Priesterseminars und der Theologischen Hochschule auf der Marmara-Insel Chalki und die Rückgabe von beschlagnahmtem kirchlichen Eigentum. Trotz des neuen Stiftungsgesetzes sei noch nicht abzusehen, ob es dazu kommen wird.
Europaparlamentspräsident Hans-Gert Pöttering nannte die Wiedereröffnung der Hochschule und des Seminars auf Chalki eine notwendige, aber nicht hinreichende Bedingung für einen EU-Beitritt der Türkei. "Wir müssen darauf bestehen, dass Christen in der Türkei die gleichen Möglichkeiten haben, ihren Glauben auszuüben, wie Muslime in der EU", so der deutsche Politiker. Seine Empfehlung an die Regierung in Ankara sei, sich etwas schneller zu bewegen und die Grundprinzipien der EU anzuerkennen.
Bartholomaios I. bezeichnete vor den Europaabgeordneten den interkulturellen Dialog als überlebensnotwendig für die Menschheit.
Ansonsten seien Übergriffe und Verfolgung und letztlich ein "großangelegter Selbstmord der Menschheit" die Folge. Das europäische Projekt sei auch deshalb wichtig, so der Patriarch, weil es hier gelungen sei, eine friedliche Zusammenarbeit von Völkern zu erreichen, die sich noch vor Jahrzehnten erbittert bekämpft hätten.
"Rechte von Minderheiten respektieren"
Mit Blick auf Einwanderer verlangte der Ökumenische Patriarch, die Rechte von Minderheiten zu respektieren. "Gesellschaften, die auf Ausgrenzung und Unterdrückung aufgebaut sind, können nicht überleben", so Bartholomaios I. Unterschiede unter den Menschen müsse man als Ausgangspunkt für Begegnung begreifen. Dann könnten Verständnis, Wertschätzung und sogar Liebe wachsen.
Ausdrücklich mahnte der Patriarch eine stärkere Beachtung der Orthodoxie in der EU ein. In Europa gebe es nicht nur Muslime und andere Nichtchristen, sondern auch Christen, die nicht Katholiken oder Protestanten sind. Die Wiedergeburt der orthodoxen Kirche nach dem Fall des Kommunismus sei ein Wunder gewesen und habe die Welt überrascht. Eine seiner wichtigsten Aufgaben als Ökumenischer Patriarch sieht Bartholomaios I. darin, die traditionellen orthodoxen Länder zu unterstützen.
Der Patriarch sprach im Rahmen des Europäischen Jahres des interkulturellen Dialogs zu den Europaabgeordneten. Im Jänner hatte bereits der syrische Großmufti Scheich Ahmad Badr-el-Din Hassoun im Parlamentsplenum gesprochen. Parlamentspräsident Pöttering kündigte an, im November werde sich der Londoner Oberrabbiner Jonathan Sacks in Straßburg an die Abgeordneten wenden.
Quelle: Katholische Presseagentur Kathpress, Wien/Österreich
Recherche/Zusammenstellung durch APD Schweiz.