16.08.2010

Afghanistan: Christliche Helfer im Kreuzfeuer

Täglich erreichen Deutschland neue Horrormeldungen aus Afghanistan. Die Zahl der durch die Taliban getöteten Zivilisten ist dramatisch gestiegen - immer mehr Kinder sterben durch die Hände radikaler Islamisten. Die wenigen Helfer, die sich noch ins Krisengebiet wagen, sind zum großen Teil Christen. Wegen ihres Glaubens geraten sie jedoch ins Kreuzfeuer von Taliban und Medien. So müssen sich viele Christen an zwei Fronten verteidigen: gegen Waffengewalt und Missionierungsvorwürfe.

Immer mehr Opfer, immer weniger Helfer – so dramatisch ist die Lage im Krisengebiet Afghanistan derzeit. Die Vereinten Nationen melden: Die Taliban töten immer mehr Zivilisten. Die deutsche Christin Daniela Beyer ist nur ein trauriges Beispiel dafür. Im ersten Halbjahr 2010 wurden bei Kämpfen und Anschlägen 25 Prozent mehr Zivilisten getötet als in den ersten sechs Monaten des Vorjahres, die Zahl der getöteten Kinder stieg sogar um 55 Prozent. Für den überwiegenden Teil dieser Opfer, ganze 76 Prozent, sind radikale Muslime verantwortlich. In den ersten sechs Monaten dieses Jahres töteten sie 176 Kinder und verletzten 389 weitere. Das ist mehr als doppelt so viel wie im Vergleichszeitraum 2009.

"Afghanische Kinder und Frauen tragen immer stärker die Hauptlast des Konflikts", warnte der UNO-Sondergesandte Staffan de Mistura laut "Spiegel Online". Sie würden in ihren Häusern und Dörfern öfter als je zuvor getötet und verletzt oder sogar öffentlich hingerichtet. Besonders schlecht ergeht es den Christen im Land. Die Hilfsorganisation "Open Doors" berichtet, dass der Druck auf jene, die Jesus nachfolgen wollen, weiter zunimmt. Obwohl in der Verfassung Religionsfreiheit garantiert werde, sei verboten, was im Widerspruch zu den Überzeugungen und Vorschriften des Islam stehe. Dazu zählt jegliche missionarische Tätigkeit, aber auch die Konversion an sich.

Mittlerweile ist sogar die bloße Anwesenheit christlicher Organisationen unerwünscht. Vor einem Monat habe der stellvertretende Parlamentspräsident Abdul Sattar Khawasi die Verhaftung und öffentliche Hinrichtung afghanischer Konvertiten gefordert, berichtet "Open Doors". Afghanen hätten zudem für die Ausweisung christlicher Organisationen demonstriert. Zwei Werke – "Church World Service" und "Church Aid" – hätten ihre Arbeit auf Anweisung der Regierung bereits einstellen müssen. Auch die Hilfsorganisation "Malteser International" hat ihre Arbeit in Afghanistan derweil komplett aufgegeben. 2005 und 2007 kamen insgesamt drei Mitarbeiter der christlichen Organisation bei Überfällen ums Leben. "Wir konnten die Sicherheitsrisiken nicht mehr tolerieren", sagt ein Sprecher gegenüber pro. Im wohl gefährlichsten Gebiet Afghanistans, der Region um Kundus, ist laut "Spiegel Online" seit November nur noch eine einzige deutsche Hilfsorganisation vertreten.
Quelle: jesus.de und Medienmagazin: pro