19.08.2010

Somalia: Zunehmende Verfolgung erwartet

(19. August 2010, Open Doors) – „Wir leiden, weil wir an Jesus glauben. Bitte betet für uns!“ - Christen aus dem ostafrikanischen Somalia haben für die Zeit des Ramadan verstärkt um Gebet gebeten. Der islamische Fastenmonat dauert bis zum 9. September. Wie ein Gemeindeleiter dem Hilfswerk für verfolgte Christen Open Doors mitteilte, befürchten somalische Christen in den nächsten Wochen vermehrt Übergriffe. Extremistische Muslime wollen durch die Verfolgung von „abtrünnigen“ Muslimen ihre Hingabe und Verehrung gegenüber Allah ausdrücken. Erfahrungsgemäß  nähmen daher während des Ramadans – einer langen Zeit des Verzichts u.a. auf Essen und Trinken – religiöser Eifer und extremistische Aktionen generell zu. Open Doors bittet Christen weltweit, für die Glaubensgeschwister zu beten.

Verfolgung ist Alltag
Besonders hart verfolgen Al-Shabaab-Milizen Christen, die früher Muslime waren. „Sie nennen uns Kriminelle und Abtrünnige. Schikane, gewalttätige Angriffe, Entführungen oder Versuche, uns zum Islam zu bekehren, gehören für uns zum Alltag“, berichtet der Hausgemeindeleiter, der aus Sicherheitsgründen anonym bleiben möchte. „Sie entführen unsere Frauen und verheiraten sie mit einem Muslim. Was ist unser Verbrechen? Wir leiden, weil wir an Jesus Christus glauben. Bitte betet für uns, dass die Extremisten uns Christen als Nachbarn, als vollwertige Familienmitglieder und Brüder und Schwestern respektieren, statt uns zu verfolgen.“

In Somalia leben 8,7 Millionen Menschen. Der Islam ist Staatsreligion. Die wenigen einheimischen Christen muslimischer Herkunft praktizieren ihren Glauben nur sehr vorsichtig im Untergrund. Somalia ist laut Open Doors-Weltverfolgungsindex nach Nordkorea, dem Iran und Saudi-Arabien das Land, in dem Christen am stärksten verfolgt werden. 

Gefährlicher Glaube
Für Christen ist das Leben in dem ohnehin politisch instabilen Land äußerst gefährlich. In den vergangenen Jahren wurden in Somalia viele Christen umgebracht, die zuvor Muslime waren. Am 21. Juli erschossen mutmaßlich Al-Shabaab-Extremisten in der Hauptstadt Mogadischu einen Familienvater und entführten seine Kinder. Al-Shabaab soll Verbindungen zum Terrornetzwerk Al Kaida haben. Die Islamisten kontrollieren einen Großteil von Südsomalia und streben danach, sowohl die Übergangsregierung zu stürzen, als auch die strenge Anwendung der Scharia (islamisches Recht) durchzusetzen. Al-Shabaab will das Land am Horn von Afrika von allen Nicht-Muslimen säubern. Im vorigen Jahr töteten militante Islamisten in Somalia mindestens 15 Christen aufgrund ihres christlichen Glaubens; darunter Frauen und Kinder.