24.08.2010

Nordkorea: Früherer US-Präsident Carter reist nach Nordkorea

Washington (idea) – Der frühere US-Präsident Jimmy Carter will das kommunistisch regierte Nordkorea dazu bewegen, einen US-amerikanischen Christen freizulassen. Aijalon Mahli Gomes, 30-jähriger Lehrer aus Boston (Bundesstaat Massachusetts), war im April zu acht Jahren Zwangsarbeit verurteilt worden.

Er wurde der illegalen Einreise sowie „feindlicher Handlungen“ gegen die Volksrepublik für schuldig befunden. Nach Angaben nordkoreanischer Medien hat er in der Haft versucht, sich das Leben zu nehmen. Der 85-jährige Baptist Carter will, wie das in Washington erscheinende Magazin Foreign Policy (Außenpolitik) berichtet, in Kürze als Privatmann nach Pjöngjang reisen. Vier Vertreter des US-Außenministeriums, die dort Anfang August in geheimer Mission die Freilassung von Gomes bewirken wollten, seien unverrichteter Dinge zurückgekehrt. Carter werde auf seiner Nordkoreareise möglicherweise von seiner Frau Rosalynn und Tochter Amy begleitet. Gomes war am 25. Januar an der Grenze zur Volksrepublik China festgenommen worden. Was ihn zum Grenzübertritt bewegte, ist nicht bekannt. Er arbeitete als Englischlehrer nahe der südkoreanischen Hauptstadt Seoul und wird von Kollegen als frommer Christ beschrieben.

Verhaftete US-Amerikaner kamen frei

Gomes ist der vierte US-Amerikaner, der seit 2009 in Nordkorea verhaftet wurde. Die Journalistinnen Laura Ling und Euna Lee wurden im März festgenommen und zu zwölf Jahren Arbeitslager verurteilt, kamen aber frei, nachdem der frühere US-Präsident Bill Clinton mit Alleinherrscher Kim Jong-Il in Pjöngjang gesprochen hatte. Am ersten Weihnachtstag 2009 wurde Robert Park festgenommen, als er die Grenze zu Nordkorea überquerte und dabei Bibelworte rezitierte. Er wurde nach zwei Monaten freigelassen, nachdem er seine Tat „gestanden und aufrichtig bereut“ habe, so nordkoreanische Medien.

Schlimmste Christenverfolgung

Nordkorea gilt als das Land mit der schlimmsten Christenverfolgung. Schon der Besitz einer Bibel wird nach Angaben von Menschenrechtsorganisationen mit der Todesstrafe geahndet. Nach Angaben des Hilfswerks Open Doors werden bis zu 70.000 Christen in über 30 Arbeits- und Straflagern gefangen gehalten. Von den 23,6 Millionen Einwohnern sind offiziellen Angaben zufolge etwa 12.000 Christen, die zu vier staatlich anerkannten Kirchengemeinden gehören. Mindestens 200.000 Christen versammeln sich im Untergrund.