10.12.2010

Österreich: „Schweigespirale“ über die Christenverfolgung durchbrechen

Kardinal Christoph Schönborn hat in der Zeitung "Heute" zur Teilnahme an der Wiener Solidaritätsaktion für die verfolgten Christen am "Tag der Menschenrechte", Freitag, 10. Dezember 2010, aufgerufen.

An dieser Aktion beteiligen sich ab 12.00 Uhr rund 20 christliche Organisationen, um auf die Verfolgung von Christen in 64 Ländern aufmerksam zu machen. "Religionsfreiheit zählt heute zu den selbstverständlichen Grundwerten in Europa. Nicht so in manchen mehrheitlich islamischen Ländern des Nahen und Mittleren Ostens. Dort leben Christen oft gefährdet, werden verfolgt, benachteiligt, mit dem Tode bedroht. Wir erinnern uns noch mit Schrecken an den mörderischen Anschlag radikaler Muslime zu Allerheiligen in einer katholischen Kirche im Irak, dem mehr als 50 Christen zum Opfer gefallen sind", so der Wiener Erzbischof. Die "Schweigespirale" über die Verfolgung der Christen müsse durchbrochen werden.

Nicht schweigen

Christen seien heute die am meisten verfolgte Glaubensgemeinschaft auf der Welt: "Ein Zustand, der in unserer Öffentlichkeit kaum bekannt ist und den wir so nicht schweigend hinnehmen dürfen." Deshalb der Aufruf am "Tag der Menschenrechte" zur Teilnahme an der Aktion "Stopp Christenverfolgung!". Um 17.15 Uhr führt ein Fackelzug von der Staatsoper zum Stephansdom, wo um 18.00 Uhr in einem ökumenischen Wortgottesdienst für die verfolgten Christen gebetet wird.

Friedenspreis für Erzbischof Sako

Die Veranstalter des Wiener Aktionstages "Solidarität mit verfolgten Christen" haben die Verleihung des diesjährigen Friedenspreises der internationalen katholischen Friedensbewegung "Pax Christi" an den chaldäisch-katholischen Erzbischof von Kirkuk, Louis Sako, begrüßt. Erzbischof Sako war in den letzten Jahren immer wieder in Wien zu Gast. Sako ist ein entschiedener Befürworter von "Versöhnung und Demokratisierung" im Irak. Die Übergabe des Friedenspreises erfolgte am Sitz der Französischen Bischofskonferenz in Paris.

Christen fliehen aus dem Irak

"Ohne Frieden gibt es kein Leben, keine Freiheit und keine Würde", sagte der chaldäisch-katholische Erzbischof aus der umstrittenen nordirakischen Erdölmetropole bei der Übergabe des Preises. Er komme aus einem "gemarterten Land und einer verfolgten Kirche", betonte Sako in Paris.

Die Zahl der Christen ist im Irak seit Beginn des 20. Jahrhunderts kontinuierlich zurückgegangen, ohne dass die westlichen Mächte eingegriffen hätten. Noch in den dreißiger Jahren, als es zu den Auseinandersetzungen mit der assyrischen Nationalbewegung kam, waren noch an die 30 Prozent der irakischen Bevölkerung christlich.

red/PEW und  www.erzdioezese-wien.at