11.12.2010
China: "Die Kirche hat keine Angst vor Unterdrückung"
Nach Jahren relativer Ruhe scheint sich das Verhältnis zwischen offizieller Kirche und den Untergrundkatholiken in China wieder zu verschlechtern. Die regierungstreuen „Patrioten“ versuchen, an Einfluss zu gewinnen.
Die Gläubigen strömen in einen Gottesdienst, den es eigentlich nicht geben dürfte. Reihe um Reihe füllt sich. Diejenigen, die schon da sind, murmeln ein Gebet. Dutzende stehen zur Beichte an. Kurz vor Beginn ist das Gotteshaus voll, die Letzten setzen sich auf Treppenstufen, andere bleiben während der gesamten Messe im Eingangsbereich stehen. Die Dezemberkälte krabbelt die Beine hoch. Weihrauchduft schwebt durch die Luft. Kerzen brennen. Gesang erfüllt den Raum. Der Priester läuft an den Reihen vorbei. Er benetzt die Menschen mit Weihwasser. In seiner Predigt wird er die schwierige Lage erwähnen, in der sich die chinesischen Katholiken derzeit wiederfinden.
„Der Papst hat vor kurzem gesagt, die katholische Kirche in China sei instabil, sie sei einer Verfolgung ausgesetzt. Er sagte, jeder Christ sollte einen reinen Glauben behalten und Buße tun“, sagt der Pfarrer. Er will Trost spenden, die Gemeinde ist in Aufruhr. Schon lange waren die Beziehungen zwischen den papsttreuen Katholiken der Untergrundkirche und der offiziellen Staatskirche nicht mehr so gespannt wie jetzt.
FAZ.NET