01.02.2010
Ägypten: Mit Allah zum Titel - Nur Muslime dürfen in die Nationalelf
Von Redakteur Philip Seiler
news.de - 01.02.2010 - Ägypten hat zum dritten Mal in Folge den Afrika-Cup gewonnen. Ein Garant des Erfolges ist Nationaltrainer Hassan Schehata, der auf fromme Muslime setzt. Doch dieses Konzept hat auch seine Schattenseiten
Es gab Zeiten, da stand Mohamed Zidan bei den Mannschaftsgebeten der ägyptischen Nationalmannschaft nur gelangweilt daneben. Heute betet der 28-Jährige, der in der Bundesliga für den BVB stürmt, gemeinsam mit seinem Team vor den Spielen auf dem Rasen und blüht in der Nationalelf regelrecht auf.
Grund für die Wandlung war ein Gespräch mit Nationaltrainer Hassan Schehata, der ihn ins Gebet genommen und ihn von der Notwendigkeit des selbigen überzeugt haben soll. Der 60-jährige Coach setzt bei der Auswahl seiner Mannschaft seit längerem auf ein eher ungewöhnliches Mittel: fromme Spieler. «Ohne gottesfürchtiges Verhalten würde ich nie einen Spieler aufstellen. Unabhängig von seinem Potenzial», wird er von der Süddeutschen Zeitung zitiert.
Trainer mit Erfolgsbilanz
Der Erfolg gibt ihm zumindest Recht: Schehata trainiert die «Pharaonen» seit sechs Jahren. In Angola holten sie unter seiner Regie nun zum dritten Mal in Folge den Afrika-Cup und stellten damit einen afrikanischen Rekord auf. Auch Schehatas Bilanz kann sich sehen lassen: In 83 Spielen unter seiner Regie stehen 54 Siege, 15 Remis und 14 Niederlagen zu Buche.
In den Kader der ägyptischen Nationalelf werden seit Jahren nur noch Muslime berufen. Der letzte Christ im Team war ein alter Bekannter aus der Bundesliga. Der ehemalige Bremer Hany Ramzy machte zwischen 1988 und 2003 immerhin 124 Länderspiele und war damals einer der Leistungsträger. Doch er gehört wie rund zehn Prozent der ägyptischen Bevölkerung der koptisch-orthodoxen Kirche an und hätte heute unter Schehata keine Chance mehr. Paradoxerweise trainiert Ramzy seit Dezember 2009 die U21-Nationalelf der Ägypter. Die Talente mit christlicher Glaubensrichtung, die er in Zukunft mit Mühe heranziehen könnte, würden dann anschließend von Schehata wieder aussortiert.
Folgen für das ganze Land
Der Ruf nach frommen Spielern hat aber noch andere Schattenseiten, die sich auf das ganze Land auswirken. Zum einen wird die Islamisierung in Ägypten vorangetrieben. Fast alle Frauen sind mittlerweile verschleiert, dieser Trend geht ungebremst weiter. Zum anderen wird das Verhältnis zwischen Muslimen und Christen durch die Ansichten des Nationaltrainers in einem Land, in dem Fußball einen unglaublich hohen Stellenwert hat, verschlechtert. Erst vor einigen Wochen haben islamistische Fanatiker acht Christen nach einer Weihnachtsmesse erschossen.
In Ägypten genießt der Hobby-Theologe Schehata dennoch großes Ansehen. Dort spricht man ihn nur mit «El Me'alem», der Meister, an. Der Afrikanische Fußball-Verband (Caf) kürte ihn schon vor zwei Jahren zum besten afrikanischen Trainer. Und auch die Spieler sind von seinen Fähigkeiten überzeugt. Selbst Zidan sagte trotz gelegentlicher Meinungsverschiedenheiten mit Schehata einmal, dass er «ein sehr guter Coach und für ihn wie ein Vater» sei.
Bei der WM in Südafrika in diesem Jahr ist Ägypten allerdings nicht dabei. Ausgerechnet gegen den Erzfeind Algerien scheiterte man in der Qualifikation und muss damit zum fünften Mal in Folge zuschauen. Bei der letzten WM-Teilnahme im Jahr 1990 war übrigens noch ein gewisser Hany Ramzy dabei. Vielleicht sollte der Nationalcoach seine Strategie ja doch noch einmal überdenken.