22.06.2010
Indien: Blasphemische Sprüher schockieren indische Christen
Erzbischof ruft zu Besonnenheit und Gebet auf
Indien: Blasphemische Sprüher schockieren indische Christen
Erzbischof ruft zu Besonnenheit und Gebet auf
Von Michaela Koller
MUMBAI, 22. Juni 2010 (ZENIT.org).- Blasphemische Graffiti haben katholische Christen im Osten Indiens in der Diözese Shillong schockiert. Unter einer Statue des heiligen Giovanni Bosco vor einer Schule der Salesianer sowie an der Wand einer weiteren katholischen Schule zeigten die Sprühbilder Jesus Christus sowie den Papst als flüchtige Täter, die zur Fahndung ausgeschrieben waren. Bereits im Februar dieses Jahres zeigten Schulbücher in Punjab eine Jesuskarikatur mit Coca Cola. Wie die Nachrichtenagentur Asianews berichtet, die sich auf lokale Quellen stützt, hätten die Unbekannten zu den Karikaturen auch den Vorwurf hinzugefügt, die örtliche Regierung des Bundesstaats Meghalaya habe zwei Millionen US-Dollar für die Dachreparatur der Salesianer Schulen bezahlt.
In Shillong ist der christliche Bevölkerungsanteil überdurchschnittlich hoch und beläuft sich auf rund 70 Prozent. Von anderen Religionsgemeinschaften wird den Christen dort vorgehalten, die Behörden bevorzugten sie. Die Graffiti-Sprüher griffen deshalb auch den örtlichen Gouverneur R. S. Mooshahary an, indem sie ihm Korruption und Ausverkauf des öffentlichen Interesses vorwarfen. Der Erzbischof von Shillong, Dominic Jala, sagte, seine Kirche sei durch die beschämende und zu verurteilende Entweihung des Don-Bosco-Denkmals zutiefst schockiert. „Solche blasphemischen Aktionen haben unsere religiösen Gefühle zutiefst verletzt. Wir haben unseren Leuten gesagt, dass sie Ruhe bewahren sollten und am wir uns am Mittwoch für eine Stunde Gebetsvigil am Abend treffen."
Einen direkten Zusammenhang zu der Schulbuchkarikatur, über die Protestanten und Hindu-Fundamentalisten im Februar auch noch in Streit geraten waren, wollte der Hirte nicht erkennen. In den vorausgegangen Fall solle nicht zuviel hinein gelesen werden, da sich der Verlag inzwischen entschuldigt habe und zudem die Behörden in dem Fall unabhängig ermittelten. Und zum aktuellen Fall sagte Erzbischof Jala: „Wir sind nicht in der Lage zu verstehen, wer oder was so eine teuflische Darstellung souffliert hat. Wir warten die Untersuchung ab, um die Hintergründe dieser Tat zu enthüllen."
Die Vorfälle von offensichtlicher Blasphemie ereignen sich in sensiblen Zeiten, in denen der Hindu-Nationalismus erstarkt und den Christen in Indien deutlich ihre Minderheitensituation vor Augen geführt wird. Eklatantestes Beispiel dafür waren Angriffe nationalistischer Hindus auf fast dreihundert Dörfer im Bundesstaat Orissa 2008, bei denen mehr als hundert Menschen umkamen. Etwa fünfzigtausend Christen waren geflüchtet. Rund viertausend Häuser und mehr als sechzig Kirchen wurden während der Überfälle zerstört. Zu den Ausschreitungen war es gekommen, nachdem maoistische Rebellen einen Hindu-Führer ermordet hatten. Da die Täter nicht gefasst wurden, entlud sich die Wut der Massen an der wehrlosen christlichen Minderheit der Region.