10.03.2010
Pakistans Drei Christen zu lebenslanger Haft verurteilt
(KARACHI, 10. März 2010) – Ein christliches Ehepaar ist Anfang März gemäß der in Pakistan geltenden Blasphemiegesetze wegen Entweihung des Islam zu lebenslanger Haft verurteilt worden. Das Paar weist jeden Vorwurf zurück. Eine Woche zuvor verurteilte ein Gericht auch einen anderen Christen wegen Blasphemie zu 25 Jahren Gefängnis.
Vorwurf: Koran-Entweihung durch Magie
Am 3. März verurteilte ein Gericht Ruggiya Bibi und ihren Mann Munir Masih aus Kasur nach Abschnitt 295-B des pakistanischen Strafrechts (Entweihung des Korans). Die beiden waren im Dezember 2008 in Mustafabad verhaftet worden, weil sie einen Koran ohne die im Islam vorgeschriebene rituelle Waschung berührt haben sollen. Ihr Anwalt Tahir Gul vom Rechtshilfezentrums CLAAS berichtete dem Informationsdienst Compass Direct, dass es im Vorfeld zu einem Streit zwischen muslimischen und christlichen Kindern gekommen war. Der eskalierte später in einen Konflikt zwischen den Eltern der Kinder. Im Gerichtsverfahren sagten Zeugen aus, das Paar benutze den Koran für schwarze Magie. Zudem soll es das islamische Glaubensbekenntnis an die Wände ihres Hauses geschrieben haben.
Vorwurf: Christ verschickte lästerliche SMS
Ebenfalls zu 25 Jahren Haft – das entspricht in Pakistan lebenslanger Haft – verurteilte am 25. Februar ein Gericht in Karachi den Christen Qamar David. Das Urteil erging nach Abschnitt 295-A wegen Verletzung religiöser Gefühle einer Gemeinschaft sowie Abschnitt 295-C wegen herabsetzender Bemerkungen über den islamischen Propheten Mohammed. Zudem muss David eine Geldstrafe von umgerechnet 875 Euro zahlen. Der Christ soll im Mai 2006 Textnachrichten (SMS) mit blasphemischen Äußerungen per Telefon verschickt haben. Sein Anwalt Pervaiz Aslam Chaudhry teilte dem Informationsdienst Compass Direct mit, dass der Schuldspruch jeder Grundlage entbehre. Alle 16 Zeugen hätten vor Gericht ausgesagt, dass nicht David der Absender der Nachrichten gewesen sei, sondern der Besitzer des Telefons, von dem die Zeugen die blasphemischen Botschaften erhalten hatten. Das fragliche Handy gehöre dem Muslim Munawar Ahmad. „Trotz dieser Tatsachen hat das Gericht Ahmad nun von allen Anklagen rein-gewaschen“, so Anwalt Chaudhry.
Quelle Meldungen: Compass Direct