11.03.2010
Deutschland: Württembergische Frühjahrssynode befasst sich mit Lage der Christen in der Türkei und verkauften Kirchengebäuden
Schwäbisch Gmünd (epd) (0577/11.03.2010) - Einen entschlossenen Kampf für die Erhaltung des Klosters Mor Gabriel im Südosten der Türkei kündigte der syrisch-orthodoxe Erzbischof Timotheos Samuel Aktas vor der Synode an. «Wir werden dieses christliche Zentrum bis zum letzten Atemzug verteidigen», sagte er. Die Evangelische Landeskirche in Württemberg und ihr Bischof Frank Otfried July haben ebenso wie die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) den Überlebenskampf des Klosters politisch und finanziell unterstützt.
Aktas wies darauf hin, dass in der einst christlichen Region der Diözese Tur Abdin heute nur noch 391 christliche Familien lebten, dazu sechs Priester, zehn Mönche und 21 Nonnen in insgesamt fünf Klöstern. Christen hätten vielerorts schon ihr Hab und Gut verloren. «Jetzt möchte man uns auch noch unsere Heiligtümer wegnehmen», kritisierte der Geistliche. Das Kloster Mor Gabriel grenzt an vier Dörfer, wovon das Dorf im Norden die Grenzen der Klosterländereien akzeptiert. Die übrigen angrenzenden Dörfer haben versucht, ihre Grenzen zu ihren Gunsten zu erweitern.
In Württemberg sollten ehemalige Kirchen und Gemeindehäuser nach Ansicht des evangelischen Dekans Volker Teich (Schorndorf im Rems-Murr-Kreis) nicht an muslimische oder hinduistische Gemeinschaften abgegeben werden. Er beantragte, entsprechende Leitlinien zu erarbeiten, die für den gesamten Bereich der Kirche Gültigkeit hätten.
Der evangelische Theologe, der auch der Synode der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) angehört, erinnerte daran, dass der Bau vieler kirchlicher Gebäude nur durch Spenden und unbezahlte Arbeit von Kirchenmitgliedern ermöglicht worden sei. Es könnte Gemeindemitglieder verprellen, wenn die Immobilien durch die Abgabe an andere Religionen anderen Zwecken zugeführt werden. Um diese Situation zu verhindern, solle die Kirche Leitlinien verabschieden.
Teichs Antrag wurde an den Ausschuss Kirche, Gesellschaft und Öffentlichkeit verwiesen.
Die Synode wird am Freitag mit einem Klausurtag fortgesetzt. Unter Ausschluss der Öffentlichkeit wollen die 95 Synodenmitglieder erörtern, wie die Kirche angesichts sinkender Einnahmen und zurückgehender Mitgliederzahlen im Jahr 2020 aussehen soll.