20.03.2010

Deutschland: ZMD-Vorsitzender Köhler beklagt Diskriminierung der muslimischen Verbände

Bad Boll/Heidelberg/Köln (epd) - 0638/20.03.2010 -. Der Vorsitzende des Zentralrats der Muslime in Deutschland (ZMD), Ayyub Axel Köhler (Köln), hat eine «Diskriminierung der muslimischen Verbände» durch die Politik beklagt. «Generell werden in unserem Land die legitimierten Vertreter der muslimischen Verbände von der Politik ignoriert und systematisch klein geredet», sagte der Köhler am Samstag bei einer Tagung über Muslime in der Demokratie in der Evangelischen Akademie Bad Boll.

Seiner Meinung nach habe die Bundesregierung nicht aus der ersten Islamkonferenz gelernt, da bei der Zusammensetzung der neuen Konferenz Vertreter der Dachverbände eine «hoffnungslos unterlegene Minderheit seien». «Wir wollen auch den Erfolg der Islamkonferenz, aber nicht zu diesen Bedingungen», sagte Köhler.

Bevor der ZMD sich festlege, ob er bei der Islamkonferenz teilnimmt, sei ein klärendes Gespräch mit dem Bundesinnenminister nötig, sagte Köhler. Er vermisse Themen in der Islamkonferenz wie die Fragen nach einer gelungen Integration oder der Islamfeindlichkeit in der Gesellschaft.

«Tatsächlich gibt es eine wachsende Angst vor Religionen, die sich in der deutschen Gesellschaft besonders gegen Muslime und Juden artikuliert», sagte Michael Blume, Religionswissenschaftler an der Universität Heidelberg. Statistiken zeigten jedoch, dass dort, wo Begegnung stattfinde, diese Ängste schwächer werden oder sogar verschwinden. Die Begegnung mit Muslimen im Alltag scheine deshalb das beste Mittel gegen eine Islamophobie zu sein, sagte Blume.