24.03.2010

Deutschland: Liberale Muslime in Deutschland gründen einen Verein

Heilbronn (epd). Die Islamwissenschaftlerin Lamya Kaddor hat in einem Interview mit der Tageszeitung «Heilbronner Stimme» (Samstagausgabe) angekündigt, dass sich die liberalen Muslime in Deutschland in einem Verein zusammenschließen werden. Ziel sei, all den Muslimen eine Stimme zu geben, die sich in Deutschland verorten und für einen zeitgemäßen Islam stehen, heißt es in dem Interview. Der Verein habe bereits ein Grundsatzpapier, nur der Gang zum Notar stehe noch aus.

Der Verein wolle sich zwar nicht ausdrücklich in Opposition zu den konservativen bestehenden Islamverbänden definieren, jedoch zeigen, dass islamische Theologie auch ein anderes Gesicht annehmen könne, erklärte die Religionspädagogin, die auch Buchautorin und Sprecherin des islamischen «Wortes zum Freitag» beim ZDF ist. Es gehe darum, das Spektrum der in Deutschland lebenden Muslime abzubilden.

Programmatische Kernpunkte seien die Verortung in Deutschland, Unabhängigkeit vom Ausland, das Bekenntnis zur freiheitlich-demokratischen Grundordnung und eine historisch-aufgeklärte Auslegung des Koran. Wie beim Christentum seit der Reformation gingen die liberalen Muslime davon aus, dass sich jeder Mensch in eigener Verantwortung zum Koran stellen dürfe und nicht zwangsläufig auf eine sogenannte Autorität angewiesen sein müsse.

Ein Scheitern der bundesweiten Islamkonferenz würde Lamya Kaddor bedauern. Sie plädierte dafür, die konservativen muslimischen Verbände in die Gespräche einzubinden, auch wenn diese Verbände kritisch zu sehen seien. Die bisherige Islamkonferenz sei nur ein Impuls, denn um wirksame Vereinbarungen über die Ausbildung für Religionslehrern und Imamen zu vereinbaren, sei für jedes Bundsland eine Islamkonferenz nötig. (0587/13.03.2010)