25.03.2010

Nordkorea: "Sie wissen, dass wir für sie beten"

Untergrundgemeinde durch Gebet ermutigt - Volk hungert, Krankheiten breiten sich aus

Nordkorea: "Sie wissen, dass wir für sie beten"

Untergrundgemeinde durch Gebet ermutigt - Volk hungert, Krankheiten breiten sich aus

(KELKHEIM, 25. März 2010, Open Doors) – Besorgniserregende, aber auch hoffnungsvolle Nachrichten erhielt das Hilfswerk für verfolgte Christen Open Doors aus dem verschlossenen Nordkorea. Trotz der prekären wirtschaftlichen Lage, Inflation, Lebensmittelknappheit und Hunger sind die Christen im Untergrund ermutigt. Doch dringend ist Gebet und Hilfe für das geschundene Volk und die heftig verfolgte Untergrundgemeinde in Nordkorea nötig, appelliert das Hilfswerk. Nach der Währungsreform hat sich die Lage verschlechtert.

Gebet macht Mut
Seit Jahren führt Nordkorea den Open Doors-Weltverfolgungsindex als das Land an, in dem Christen am stärksten verfolgt werden. Nur unter hohen Risiken ist der Kontakt zu einheimischen Gläubigen und Hausgemeinden möglich. Von ihnen erhält das Werk aus erster Hand Berichte über die Untergrundgemeinde aus mindestens 200.000 Christen. "Wir haben die nordkoreanischen Christen über unsere laufende Gebetskampagne ‚Bete für Nordkorea‘ informiert. Dass andere im Ausland für sie beten, macht ihnen Mut", berichtet Open Doors-Mitarbeiter John*, der Projekte in Nordkorea betreut. Derzeit versorgt Open Doors rund 60.000 Christen in Nordkorea mit Lebensmitteln, Medikamenten oder Kleidung. "Sie wissen, dass sie nicht vergessen sind. Lokale Gemeindeleiter bitten uns: 'Betet weiter für uns‘." - Obwohl den Christen ihr Glaube innere Kraft gäbe, hätten auch sie mit vielen Problemen zu kämpfen. Sie würden sich auf Gott verlassen und ihr Bestes geben, ihre Landsleute zu unterstützen. Nordkoreanische Christen seien viel mutiger als früher, so John: "Sie teilen, um denen zu helfen, die überhaupt nichts zu essen haben."

Hunger, Krankheit, Inflation
In Nordkorea leiden die Menschen unter der extremen Lebensmittelknappheit, berichteten Einheimische. Lebensnotwendige Waren seien landesweit kaum zu bekommen. In Folge hungern die Menschen und sterben an Unterernährung. Die Lage verschlechtere sich zunehmend, besonders in den Provinzen Hamkyung, Jakang und Hwanghae. Tausende obdachloser Kinder seien vom Hungertod bedroht. Zudem würden sich Infektionskrankheiten im ganzen Land ausbreiten. "Wir leiden sehr unter der Währungsreform. Die Preise sind steil in die Höhe geschossen und lebensnotwendige Dinge sind so teuer, dass wir sie nicht kaufen können. Es ist wie die Hölle auf Erden. Niemand weiß, wie lang die Krise andauern wird", so ein Nordkoreaner.
Das Regime ließ im vorigen November zwei Stellen der Landeswährung Won streichen. 1 000 alte Won entsprechen nun nur noch 10 neuen. Wie einheimische Informanten berichten, dürfen nur noch staatliche Geschäfte Waren verkaufen. Viele Artikel seien nicht erhältlich. Alle zehn Tage sei es in Dörfern und Städten erlaubt, Märkte zu organisieren. Doch das reiche bei weitem nicht aus, um die Bevölkerung zu versorgen. Weiterhin floriere der Schwarzmarkthandel. Die Währungsreform habe die Kluft zwischen reich und arm weiter vergrößert, hieß es. Familien und Angehörige von Beamten hätten von der bevorstehenden Reform gewusst. Sie tauschten rechtzeitig ihr Geld in ausländische Währung um und kauften verschiedene Waren. Auf dem Schwarzmarkt verkauften sie die Sachen wieder zu einem hohen Preis.

Sofortige Hinrichtung für Flüchtlinge
Da die Zahl der Flüchtlinge aus Nordkorea weiter zunimmt, verstärkte die Regierung ihre Grenzkontrollen. Hausdurchsuchungen seien an der Tagesordnung, wurde Open Doors berichtet. Im Januar habe Machthaber Kim Jong Il angeordnet, jeden aufgegriffenen Flüchtling unverzüglich hinzurichten bzw. zum Tode zu verurteilen. Diese Anordnung sei im Strafgesetzbuch ergänzt worden. Während früher viele Nordkoreaner wieder in ihre Heimat zurückkehrten, nachdem sie beispielsweise Lebensmittel beschafft hatten, versuchen jetzt viele von China aus in ein Drittland zu fliehen.

*Name geändert