29.03.2010

Naher Osten: Diskriminierung der Christen muss aufhören

Interview mit Kardinal Sandri in „L'Osservatore Romano"

Naher Osten: Diskriminierung der Christen muss aufhören

Interview mit Kardinal Sandri in „L'Osservatore Romano"

ROM, 29. März 2010 (ZENIT.org).- Der Vatikan protestiert scharf gegen die Diskriminierung der Christen im Nahen Osten. Der Präfekt der Kongregation für die Orientalischen Kirchen, Kardinal Leonardo Sandri forderte die internationale Gemeinschaft dazu auf, die Grundrechte von Christen im Nahen Osten zu achten und echte Religionsfreiheit zu gewährleisten.

In einem Interview mit „L'Osservatore Romano" vom 24. März erklärte der Nahostexperte des Vatikans, es mache ihn „traurig" mit welcher „Gleichgültigkeit" mit der Lage der Kirche im Nahen Osten umgegangen werden.

Kardinal Sandri beklagte die Ungerechtigkeiten gegenüber den Kirchen im Osten, die „in Gefahr stehen, gerade dort auszusterben, wo das Christentum entstanden ist."

Kardinal Sandri rief dazu auf, „die Diskriminierung der Christen im Nahen Osten mit der wohlwollenden Entschiedenheit des Evangeliums an den Pranger zu stellen" 

Ein syrisch-katholischer Priester aus Mossul habe vor Kurzem seinen Vater und zwei Brüder verloren , so Sandri. „Die Zahl der christlichen Märtyrer ist endlos", sagte der Kardinal und bedauerte, dass „scheinbar viele Länder in der Welt, vor allem des christlichen Abendlandes, zumindest historisch gesehen, an deren Aufopferung mit einer traurig machenden Gleichgültigkeit zusehen".

Gefahr eines religiösen Fundamentalismus

Zu den Folgeerscheinungen einer solchen Diskriminierung gehörten die unschuldigen Opfer, die Unsicherheit und das Ersticken aller sozialen und wirtschaftlichen Bemühungen für eine große Region. Die jüngen Generationen würden der Gegenwart und der Zukunft beraubt.

Der argentinische Kardinal sprach von einer zunehmenden Instabilität mit erheblichen Auswirkungen auf die östliche Diaspora in allen Kontinenten.

Seiner Ansicht nach lege die Gewalt die pastorale Tätigkeit der Kirche lahm ebenso wie ihren Einsatz in zahlreichen Schulen, Gesundheitszentren und karitativen Einrichtungen, die gleichzeitig für Menschen aller Religionen zugänglich sind.

„Letztlich bleibt nicht anderes als der unaufhörliche Strom von Migranten aus dem Nahen Osten in die ganze Welt", äußerte der Kardinal. Die ältesten Kirchen seien vom Aussterben an den Orten bedroht, wo sie entstanden seien.

„Es ist eine furchtbare Ungerechtigkeit für den Nahen Osten, dass ein wesentlicher Bestandteil seiner pluralen religiösen Identität zu Nichts reduziert wird", beklagte der Kardinal.

Wenn die christliche Präsenz in diesen Ländern verschwinde, bestehe die latente Gefahr eines religiösen Fundamentalismus mit den potenziellen Risiken von Gewalt und Terrorismus.

Wahrung der religiösen Freiheit

In dem Interview forderte der Kardinal die Öffentlichkeit und die Verantwortlichen der Nationen in der Welt dazu auf, nicht bei nebensächlichen Problemen stehen zu bleiben, sondern vielmehr alle auf die dringende Notwendigkeit der Wahrung der Grundrechte hinzuweisen, einschließlich der Religionsfreiheit.

Die von der Ökumene und Interreligiosität beseelten christlichen Kirchen in der Welt müssten sich solidarisch erweisen, damit „die größtmöglichste Zahl der Christen im Nahen Osten bleiben kann, wie es ihr Recht und ihre Pflicht. Jedoch in dem Falle, dass sie gezwungen sind, in ein anderes Landes auszureisen, muss ihnen Aufnahme gewährt werden".

Auf die nächste Bischofssynode für den Nahen Osten Bezug nehmend, die vom 10. bis 24. Oktober in Rom stattfinden wird, erklärte Kardinal Sandri, dass diese „erste Versammlung, die unvermittelt die Wirklichkeit des Nahen Ostens erfasst, als Ganzes ein Wort des Friedens im Namen Christi sein kann".

Der Präfekt der Kongregation für die Orientalischen Kirchen erinnerte außerdem an die absolute Dringlichkeit eines dauerhaften Friedens auf der Grundlage eines Rechts, das auf internationaler Ebene anerkannt sei und allen, darunter auch den Christen, einen grundlegenden und ausreichenden Schutz für eine würdevolle Präsenz im Nahen Osten ermögliche.

[Übersetung von Iria Staat]