29.03.2010
Stephanus-Preis für verfolgte Christen im Iran und in Vietnam
Rechtsanwältin kämpfte in Haft dafür, Bibel behalten zu dürfen Von Michaela Koller
Stephanus-Preis für verfolgte Christen im Iran und in Vietnam
Rechtsanwältin kämpfte in Haft dafür, Bibel behalten zu dürfen
Von Michaela Koller
BONN, 29. März 2010 (ZENIT.org).- Die "Stephanus-Stiftung für verfolgte Christen" hat im Rahmen der Jahresversammlung der Internationalen Gesellschaft für Menschenrechte (IGFM) am Freitag in Bonn den diesjährigen Stephanus-Preis zwei Christinnen aus dem Iran sowie einer vietnamesische Rechtsanwältin und ihrem Kollegen verliehen. Die Stephanus-Stiftung von Stifter Wolfgang Link ehrt in Erinnerung an den Erzmärtyrer Stephanusinsbesondere Christen, die trotz existenzieller Verfolgung im christlichen Glauben standhaft geblieben sind.
Ausgezeichnet wurden die Iranerinnen Maryam Rostampour und Marzieh Amirizadeh, die wegen ihrer Konversion aus dem Islam und ihres Einsatzes für den christlichen Glauben im vorigen Jahr acht Monate imberüchtigten Folter-Gefängnis Evin von Teheran eingesperrt waren. Sie blieben trotz Angebots der Freilassung bei Glaubensverzicht und trotz drohender Todessstrafe standhaft bei ihrem christlichen Bekenntnis.
Im November vorigen Jahres kamen sie auf internationalen Druck hin frei. Die Todesstrafe für den "Abfall vom Islam" steht im Iran bisher formell in keinem vom Parlament verabschiedeten Gesetz. Die iranische Verfassung sieht in Artikel 167 jedoch vor, dass auch Delikte bestraft werden, deren Ahndung durch die vorhandene Gesetzgebung nicht abgedeckt ist, wozu auch die Apostasie zählt. In solchen Fällen gelten nach der iranischen Verfassung die islamische Überlieferung und die islamischen Rechtsgutachten.
Gegen Muslime, die tatsächlich oder vermeintlich vom Islam abgefallen waren, ist von iranischen Behörden in einzelnen Fällen auch ganz offiziell Anklage erhoben worden. Inoffizielles Vorgehen von staatlichen und halbstaatlichen Organen gegen Andersdenkende ist aber bei weitem häufiger. Die IGFM weiß von systematischer Folter, Hinrichtungen wegen konstruierter Vorwürfe, staatlichen Morde und "Verschwindenlassen" bei Konvertiten ebenso zu berichten wie bei Bürgerrechtlern.
Den Stephanus-Preis erhielt auch die junge vietnamesische Rechtsanwältin Le Thi Cong Nhan und ihr Kollege Nguyen Van Dai. Die Beiden haben sich aus ihrer christlichen Überzeugung heraus in Vietnam für Menschenrechte und Religionsfreiheit eingesetzt und dafür mehrjährige Haftstrafen erhalten. Le Thi Cong Nhan war am 6. März 2007 verhaftet worden, weil sie in der Kanzlei ihres Kollegen, des Rechtsanwalts Nguyen Van Dai, Menschenrechtskurse für Studenten gab. Zwei Monate später wurde sie unter Rechtsbeugung zu drei Jahren Haft und drei Jahren Hausarrest verurteilt. Ihr Kollege und Mitstreiter Nguyen Van Dai erhielt vier Jahren Haft und vier Jahren Hausarrest.
Neben ihrer Tätigkeit als Menschenrechtsverteidigerin war Cong Nhan Mitglied der demokratischen Bewegung „Block 8406" und Sprecherin der oppositionellen Progressiven Partei Vietnams um den katholischen Pfarrer Nguyen Van Ly, der am 30. März 2007 zu acht Jahren Haft und weiteren fünf Jahren Hausarrest verurteilt wurde.
Wie Rechtanwalt Van Dai kämpfte Cong Nhan in der Haft energisch dafür, ihre Bibel behalten zu dürfen, die ihr die US-Kommission für Religionsfreiheit bei einem Besuch im Gefängnis geschenkt hatte. Ansonsten durfte sie keine anderen religiösen Schriften bei sich haben. Cong Nhan lehnte während der Haft immer wieder ab, ein "Geständnis" abzulegen oder einer Ausreise ins Ausland zuzustimmen.
Die inzwischen freigelassene Le Thi Cong Nhan steht noch drei Jahre unter Hausarrest, streng von der Polizei überwacht. Fälle wie diese gehören offenbar zu den „bleibenden Problemen", die der Vatikan trotz konkreter Fortschritte in den Beziehungen sieht. Die Religionsfreiheit in Vietnam wird oftmals von Behördenwillkür begrenzt.
Die diesjährigen Preisträger konnten sämtlich nicht anreisen und die Urkunde sowie das Preisgeld von je 500 Euro entgegen nehmen. Der IGFM zufolge wurden sie aber über die Ehrung informiert. Unter den früheren Preisträgerin ist unter anderem der Kölner Prälat Helmut Moll, Herausgeber des Deutschen Martyrologiums, zu nennen, der dem Schülerkreis Papst Benedikts XVI. angehört (ZENIT berichtete).