20.05.2010

Laos: Vertriebene Christen von Krankheit bedroht

(DUBLIN, 20. Mai 2010) – Die Notlage der 48 aus einem Dorf in Laos verstoße-nen Christen wird immer größer. Nach Informationen der Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch für Laos (HRWLRF) leiden die Vertriebenen an Durchfall und Infektionskrankheiten aufgrund von Mangelernährung und unsauberen Wasser. Die Männer, Frauen und Kinder wurden Anfang Januar von der Dorfgemeinschaft aus der Ortschaft Katin in der Provinz Saravan vertrieben. Seitdem leben sie in provisorischen Behausungen am Waldrand. Ein selbst angelegter Brunnen gibt nur schmutziges Wasser. Ihr Besitz wurde beschlagnahmt. Der Eingang zum Dorf wird bewacht, so dass eine Rückkehr nicht möglich ist. Laut Human Rights Watch müssten die Christen auf dem Boden schlafen, hätten kein Licht und taugliche Werkzeuge. Das Hilfswerk für verfolgte Christen Open Doors bittet, für die Familien zu beten. Laos gehört mit Platz 9 im Open Doors Weltverfolgungsindex 2010 zu den zehn Ländern, in denen Christen am stärksten verfolgt werden.

Christen wollen Glauben nicht aufgeben
In einer gemeinschaftlichen Aktion trieben am 18. Januar dieses Jahres etwa 100 Bewohner, lokale Beamte und Polizisten mit vorgehaltenen Waffen die 48 Christen aus der Ortschaft Katin. Die kleine Gemeinde hatte sich gerade zu einem Gottesdienst versammelt. Die Familien widersetzten sich dem Druck - auch seitens eines Religionsbeamten der Provinz - ihren christlichen Glauben aufzugeben. Daraufhin schloss man sie aus der Dorfgemeinschaft aus. Die Familien wurden gezwungen, sich rund sechs Kilometer vom Dorf entfernt am Ran-de des Dschungels provisorische Unterkünfte zu bauen. Das Dorfoberhaupt drohte den Einwohnern von Katin mit Zwangsenteignung, wenn sie Kontakt zu den Christen pflegen würden.

Glaubensfreiheit zugesichert
Obwohl Laos den Internationalen Vertrag für bürgerliche und politische Rechte im Jahr 2009 unterzeichnet und damit die Achtung der Menschenrechte sowie der Religionsfreiheit zugesichert hat, sind Christen wie in Katin weiterhin Übergriffen ausgesetzt. Zwar besuchte im März eine Delegation von Provinz- und Bezirksbeamten unter Leitung von Gouverneur Khamboon Duangpanya die Verstoßenen im Wald und sicherte ihnen Glaubensfreiheit zu, doch geändert hat sich an der Situation der Christen wenig. Ein Informant, der ungenannt bleiben wollte, berichtete dem Informationsdienst Compass Direct, Bezirksbeamte hätten es den Christen Anfang Mai erlaubt, Reis aus ihren Scheunen in Katin zu holen. Einige versuchten auch, ihre Felder zu versorgen. Die Bauern befürchten bei der Vernachlässigung ihrer Felder den Verlust des Anbaurechts für das kommende Jahr. Laut HRWLRF wurden ihre für die Feldarbeit nötigen Wasserbüffel sowie die Häuser und Registrierungsdokumente der Christen beschlagnahmt.

Die sechs Millionen Einwohner des südostasiatischen Landes sind überwiegend Buddhisten, drei Prozent sind Christen. Daneben ist besonders in den Bergregionen Ahnenkult und Animismus verbreitet. Die Verfassung von Laos sieht Religionsfreiheit zwar vor, doch hat die Regierung dieses Recht eingeschränkt und verbietet jede Aktivität, die das Volk spalten könnte. Fehlende Vorschriften für religiöse Angelegenheiten erlauben es örtlichen Beamten, die Verfassungsbe-stimmungen nach eigenem Gutdünken zu interpretieren und umzusetzen.