26.11.2010

Eritrea: Gezieltes Vorgehen gegen Christen

Christen von Sicherheitsbehörden verhaftet

Eritrea: Gezieltes Vorgehen gegen Christen

Christen von Sicherheitsbehörden verhaftet

 

Open Doors – Eritrea geht verstärkt gegen Christen vor. Betroffen sind Mitglieder sowohl staatlich genehmigter als auch nicht anerkannter Kirchen. Wie das Hilfswerk für verfolgte Christen Open Doors erfuhr, wurden in Assab bei einer gezielten Aktion 37 Christen durch Sicherheitskräfte verhaftet. Die Männer und Frauen werden seit dem 14. November in einem Gefängnis in der Hafenstadt festgehalten. Zuvor sind bereits ein Pastor einer staatlich genehmigten Evangelisch-Lutherischen Kirche sowie 49 weitere Personen in verschiedenen Städten verhaftet worden.

In Frachtcontainern dieser Art sind Christen in Eritrea eingesperrt.Über 2.000 Christen gefangen

Eritrea belegt auf dem Weltverfolgungsindex von Open Doors Platz 11 in der Liste der Länder, in denen Christen am stärksten verfolgt werden. Nach Angaben von Kirchenleitern sind in Eritrea rund 2.200 Christen aufgrund ihres Glaubens landesweit in Polizeistationen, Militärlagern oder Frachtcontainern unter teils unmenschlichen Bedingungen eingesperrt. Viele sitzen seit Monaten oder Jahren ohne offizielle Anklage oder Gerichtsverfahren in Haft.

Am Arbeitsplatz abgeführt

Unter den Mitte November festgenommenen 37 Personen sind sieben Frauen, die als Wehrdienstleistende bei verschiedenen staatlichen Einrichtungen tätig waren. Eine Frau ist im siebten Monat schwanger. Die Christen wurden an ihren Arbeitsplätzen bzw. an Schulen verhaftet. Ihre Namen standen auf einer Liste des Geheimdienstes. Einheimische Gemeindeleiter sehen darin ein gezieltes Vorgehen gegen Christen, die sich außerhalb staatlich genehmigter Kirchen versammeln. Im Mai 2002 erklärte Präsident Issayas Afewerki alle nicht erlaubten Kirchen – darunter über 30 unabhängige Gemeinden – für illegal. Nur die Eritreisch-Orthodoxe und die Katholische Kirche sowie die Evangelisch-Lutherische Kirche und der Islam sind anerkannt. Seitdem veranlasst die Regierung Kirchenschließungen und verbietet Privatversammlungen.

Verhaftet wegen christlicher TV-Programme

Wie Open Doors weiter erfuhr, kam es bereits vor Wochen zu 49 Festnahmen in den Städten Mendefera, Adi-Kuala, Dekemhare und Debarewa. Die Behörden beschlagnahmten dabei Fernseher und Satellitenempfangsgeräte. Den Verhafteten wird vorgeworfen, christliche Programme angeschaut zu haben.

Genehmigte Kirchen unter Druck

Berichtet wird zudem, dass die Behörden auch Geistliche staatlich genehmigter Kirchen unter Druck setzen. Vor zwei Wochen wurde Pastor Zenawe von einer Evangelisch-Lutherischen Kirche festgenommen. Der Anglikanischen Kirche, die unter dem Dach der Lutherischen Kirche arbeitet, wurde behördlicherseits verboten, ausländische Pastoren zu Predigtdiensten für englischsprachige Gottesdienste einzuladen. Zudem wurde Geistlichen der vier staatlich anerkannten Religionsgemeinschaften mitgeteilt, sich für die Auswahlrunde für den Militärdienst im Januar für das Sawa-Militärzentrum bereitzuhalten. Derzeit blieben die staatlich anerkannten religiösen Gemeinschaften in Eritrea zumeist verschont von Repressalien durch die Behörden.