26.11.2010

Irak: Christen müssen im Irak bleiben können

Kardinal Sandri

Irak: Christen müssen im Irak bleiben können

Kardinal Sandri

 

Rom, 26. November 2010 (ZENIT.org) - Die Christen müssen im Irak bleiben, um die Entwicklung des Landes zu garantieren. Dies hat Kardinal Leonardo Sandri, der Präfekt der Kongregation für die Orientalischen Kirchen, während einer Messe im Petersdom für die Opfer des 31. Oktober geäußert. An diesem Tag waren bei einem Attentat in der syrisch-katholischen Kathedrale Unserer Lieben Frau von der Immerwährenden Hilfe in Bagdad 55 Menschen getötet und zahlreiche verletzt worden.

Anwesend waren auch viele Mitglieder des Diplomatischen Corps und vierzig Iraker, Angehörige der 26 Verletzten aus Bagdad, die in der römischen Gemelli-Klinik behandelt werden.

In seiner Predigt hob der Kardinal hervor, dass die Christen in diesem Land, wo sie geboren wurden, das Recht hätten, ohne Diskriminierung ihren unersetzlichen Beitrag in den Bereichen Erziehung, Kultur und der sozialen Hilfsdienste für die Gesellschaft zu leisten. Christen seien auch immer bereit für eine großzügige Öffnung gegenüber ihren muslimischen Mitbürgern.

„Wieviel  Leid muss noch geschehen? Warum erheben neben den Menschen guten Willens diejenigen, die Verantwortung tragen, nicht ständig ihre Stimme zur Verteidigung einer wirklichen Freiheit von Religion und Gewissen?", so Kardinal Sandri.

Die Kirche werde durch die Verfolgung nicht kleiner, sondern sie wachse. Auch der Glaube werde gestärkt und die Bereitschaft, das eigene Blut mit dem Blut Christi zur Erlösung der Welt zu vereinen.

Vor der Trauerfeier hatte der Kardinal in einem Interview mit Radio Vatikan vor „einer Gewöhnung an die Gewalt, die jeden Tag geschieht",  gewarnt. „Wir können nicht in Konformismus und Passivität ihr gegenüber verfallen. Besonders wir Katholiken müssen uns im Gebet, in der Solidarität...mit diesen unseren Brüdern vereinen."

Msgr. Shlemon Warduni, Weihbischof des chaldäischen Patriarchats von Bagdad, sagte hinsichtlich der Anwesenheit internationaler Kräfte im Irak: „Ich kann nichts über die Zukunft sagen. Ich frage mich einfach: Warum sind sie gekommen? Sind sie gekommen, um uns den Frieden zu bringen oder um uns den Krieg zu bringen? Sind sie gekommen, um die Freiheit zu bringen, nicht die Freiheit, zu sterben, sondern die Freiheit, in Frieden zusammen zu leben? Sie sind gekommen, um den Frieden zu bringen! Sie dürfen nicht gehen, bevor der Frieden stabil ist."

Der Weihbischof sprach sich weiterhin gegen die Einrichtung einer christlichen Provinz im Irak aus. Jeder Mensch solle leben dürfen, wo er wolle. Eine solche Provinz führe nur zu Zertrennung und Separierung.

Alle müssten gemeinsam an einem vereinten Irak mitwirken.

Am 23. November hatte eine Versammlung der chaldäischen Bischöfe des Irak in Erbil die islamischen religiösen Führer aufgefordert, die Gewalt gegen religiöse Minderheiten öffentlich zu ächten. In einer Botschaft wurde veröffentlicht, dass ca. 60 Familien seit dem Attentat vom 31. Oktober aus der irakischen Hauptstadt geflohen seien. Weitere 80 Familien hätten in Erbil Zuflucht gesucht.

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