02.10.2010
Kasachstan: Regierung versucht religiös aktive Ausländer aus dem Land zu drängen
Im Rahmen der neuen Visabestimmungen für Ausländer, die in Kasachstan arbeiten, wurde erstmals die Kategorie eines „Missionarsvisums“ eingeführt, das nur 6 Monate gültig ist und nicht verlängert werden kann. Seither ist es für einige Religionsgemeinschaften schwierig, wenn nicht unmöglich, Visa für ihre ausländischen Mitarbeiter zu bekommen, die sie nach ihrer eigenen Darstellung benötigen, um ihr Gemeinschaftsleben aufrecht zu erhalten. Während die römisch katholische Kirche ihre Schwierigkeiten bei der Beschaffung von Visa für Priester und Nonnen offensichtlich nach Intervention des apostolischen Nuntius überwunden hat, war es für die zwei Imame der Ahmadi Moslems unmöglich, im Land zu bleiben. Die jüdische Gemeinschaft befürchtet, dass keine Rabbiner mehr nach Kasachstan kommen, wenn Visa nur für 6 Monate erteilt werden und betont, dass die Rabbiner keine Missionare sind, sondern lediglich der jüdischen Gemeinschaft dienen und Synagogen für die an verschiedenen Orten Kasachstan lebende jüdische Bevölkerung eröffnen bzw. aufrecht erhalten möchten. Nicht betroffen von den neuen Regelungen sind die Bürger der Mehrzahl der ehemaligen Sowjetrepubliken, die kein Visum benötigen, um in Kasachstan zu leben und zu arbeiten.
Die neuen Regelungen scheinen Teil der Regierungspolitik zu sein, die Religionsgemeinschaften im Land von ihren Glaubensgeschwistern im Ausland zu isolieren. 2005 wurden im Rahmen der Novellierung des Religionsgesetzes Einschränkungen der Missionstätigkeit in Kasachstan eingeführt, die sowohl für Ausländer als auch für kasachische Staatsbürger gelten. Im Rahmen des Verwaltungsgesetzbuchs wurden Strafen für Missionstätigkeit ohne staatliche Genehmigung eingeführt. Ausländern droht die Ausweisung. Davon betroffen waren bisher unter anderem der in Kasachstan geborene Baptist Viktor Leven, der deutscher Staatsbürger ist, sowie der mit einer Kasachin verheiratete Leiter der protestantischen Gnadenkirche in Ekibastuz, Sergei Shestel, ein ukrainischer Staatsbürger. Die Gnadenkirche ist eine von mehreren Religionsgemeinschaften, die wiederholt Medienattacken ausgesetzt war. In einem internen Dokument der regierenden Nur Otan Partei von Juli 2010 wurde sie als eine der „nicht traditionellen religiösen Bewegungen mit destruktiven Charakter“ genannt, gegen die man etwas unternehmen müsse.
Quelle: Forum 18 News Service, Oslo
Deutsche Fassung: AK Religionsfreiheit der Österreichischen Evangelischen Allianz