06.10.2010
Europaparlamentarier werben für Klausel zur Religionsfreiheit
„Von der Religionsfreiheit hängen all unsere anderen Freiheiten ab"
BRÜSSEL, 6. Oktober 2010 (ZENIT.org).- Die Religionsfreiheit muss in der EU-Außenpolitik Berücksichtigung finden, indem sie in Form einer verbindlichen Klausel zum Respekt der Religionsfreiheit in Abkommen mit Drittländern eingefügt wird. Dies ist die Hauptforderung einer schriftlichen Erklärung, die am Dienstag durch die Europaabgeordneten Mario Mauro, EVP-Fraktion, und Konrad Szymañski, Mitglied der Fraktion der Europäischen Konservativen und Reformisten, vorgestellt worden ist. Die Initiative wurde aus Anlass einer Konferenz zum Thema Christenverfolgung, welche durch die beiden Fraktionen sowie COMECE (Kommission der Bischofskonferenzen der Europäischen Gemeinschaft) organisiert worden ist, lanciert.
Das Recht auf Religions- oder Glaubensfreiheit wird auf der gesamten Welt verletzt, wovon schätzungsweise 100 Millionen Christen jedes Jahr betroffen sind. Laut Open Doors International stehen Nord-Korea, Iran, Saudi-Arabien, Somalia, den Malediven, Afghanistan, Jemen, Mauretanien, Laos und Usbekistan auf der Top-Ten-Liste der Länder, in denen Christen am meisten wegen ihres Glaubens verfolgt werden. Während der Konferenz kamen auch bekannte Zeugen der Christenverfolgung aus aller Welt zu Wort: Bischof Eduard Hiiboro Kussala der Katholischen Diözese von Tombura, Yambio im Süd-Sudan, der chaldäische Erzbischof Louis Sako von Kirkuk, Irak, Dr. T. M. Joseph, Direktor des Newman Colleges in Thodupuzha, Indien sowie Kok Ksor, Präsident der Montagnard Foundation in Vietnam.
Der Europaabgeordnete Konrad Szymañski erinnerte: „75 Prozent aller Todesfälle im Zusammenhang mit Hassverbrechen aus religiösen Gründen betreffen Menschen christlichen Glaubens, weshalb Christen die am meisten verfolgte religiöse Gruppe in der Welt sind. Europa kann nicht gleichgültig bleiben. Die EU muss eine Mitverantwortung für den Schutz der Religionsfreiheit in der gesamten Welt übernehmen. Das Massenleiden der Christen ist selbst heute noch ein Verbrechen, das vergessen bleibt. Wir sind hier, um die Politiker an ihre Verantwortung hierfür zu erinnern."
Der EU-Parlamentarier Mario Mauro betonte: „Religionsfreiheit ist die Bedingung, von der all unsere anderen Freiheiten abhängen: die Freiheit, die Religion, an die wir glauben, zu äußern und sich zu dieser zu bekennen, bedeutet, dem Machtmissbrauch zu entkommen. Das ist der Grund dafür, warum wir auf der Verteidigung dieses Grundsatzes bestehen müssen und dies ist auch der Grund dafür, warum wir die schriftliche Erklärung zur Verteidigung der „Religionsfreiheit" initiiert haben".
Othmar Karas, als stellvertretender Vorsitzender der EVP-Fraktion verantwortlich für Interreligiöse Aktivitäten, hob hervor: „Nichtdiskriminierung ist universal. Religionsfreiheit und Nichtdiskriminierung gehen Hand in Hand. Religionen sind ein wichtiger Teil der Europäischen Identität und daher ist der interreligiöse Dialog entscheidend für das politische und europäische Bewusstsein."
Aus Anlass der Konferenz stellte das COMECE Sekretariat sein „Memorandum zur Religionsfreiheit" vor. Der Text enthält elf Empfehlungen, adressiert an das Europäische Parlament, die Europäische Kommission, den Rat und den Europäischen Auswärtigen Dienst, damit diese, entsprechend ihren jeweiligen Verantwortungsbereichen, zur Förderung der Religionsfreiheit in den Außenbeziehungen der EU beitragen. Das Memorandum erinnert daran, dass das Recht auf Religionsfreiheit eng mit anderen Grundrechten verbunden ist, dass die Religionsfreiheit gleichsam ein „Test" für die Beachtung der Grundrechte ist. Die schriftliche Erklärung, die initiiert wurde durch die Abgeordneten Mario Mauro und Konrad Szymañski, soll in den nächsten Wochen dem Plenum vorgelegt werden. Die Unterschriften von 380 Abgeordneten sind dabei in den nächsten drei Monaten erforderlich, damit die Erklärung angenommen wird.