09.10.2010

Sudan: Droht dem Sudan ein neuer Krieg?

Erzbischof Rowan Williams: Warnt vor Unruhen im Sudan.

Sudan: Droht dem Sudan ein neuer Krieg?

Erzbischof Rowan Williams: Warnt vor Unruhen im Sudan.

London (idea) – Vor neuer Kriegsgefahr im Sudan hat das geistliche Oberhaupt der anglikanischen Weltgemeinschaft, Erzbischof Rowan Williams (London), gewarnt.

Bei einer Pressekonferenz mit dem Erzbischof der Episkopalkirche im Sudan, Daniel Deng (Juba), in London sprach er von Befürchtungen, dass Unruhen ausbrechen, wenn die Volksabstimmung über die Unabhängigkeit des Südsudans am 9. Januar nicht wie geplant ablaufe. Das Referendum ist Teil eines Friedensabkommens, mit dem im Jahr 2005 ein 22-jähriger Bürgerkrieg zwischen der radikal-islamischen Zentralregierung in Khartum und dem gemischt religiösen Süden beendet wurde. Der Krieg hatte über zwei Millionen Menschen das Leben gekostet. Von den rund 36 Millionen Einwohnern des Sudans sind 65 Prozent Muslime. Die 24 Prozent Christen und 11 Prozent Anhänger von Naturreligionen leben meist im Süden des Landes.

Haftbefehl gegen Staatspräsident Baschir

Williams und Deng riefen die Staatengemeinschaft auf, darauf zu dringen, dass die Volksabstimmung nicht zu neuer Gewalt führe. Die Vorbereitungen ließen zu wünschen übrig, erklärte Deng, etwa die Aufstellung von Wählerverzeichnissen und die Abgrenzung der Wahlbezirke. Vor allem aber befürchte man, dass die rund vier Millionen Südsudanesen, die im muslimischen Norden leben, vertrieben werden. Das könnte in einer humanitären Krise enden. Die südsudanesischen Behörden seien nicht in der Lage, eine so große Zahl von Menschen aufzunehmen. Der Sudan wird von einem brutalen Regime regiert. Gegen Staatspräsident Omar al Baschir hat der Internationale Strafgerichtshof in Den Haag einen Haftbefehl wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit in der Bürgerkriegsregion Darfur ausgestellt.