19.10.2010

Ostkongo: Frauen demonstrieren gegen Bürgerkrieg

Bukavu (idea) – Im Osten der Demokratischen Republik Kongo haben tausende Frauen gegen den anhaltenden Bürgerkrieg demonstriert. Bei einem Protestzug durch die Bezirkshauptstadt Bukavu protestierten sie am 17. Oktober gegen fortgesetzte Vergewaltigungen.

Täter seien sowohl Rebellen, die für eine Unabhängigkeit des rohstoffreichen Grenzgebiets kämpfen, als auch kongolesische Soldaten. Viele Frauen hätten ihre Krankenhausbetten verlassen, um ihre Stimme erheben zu können, berichtete der Fernsehsender CNN. Die Direktorin des Deutschen Instituts für Ärztliche Mission (Difäm) in Tübingen, Gisela Schneider, bezeichnete die Demonstration als „echtes Hoffnungszeichen für den Ostkongo“. Die Aktion helfe, politischen Druck aufzubauen und die Stigmatisierung zu brechen: „Eine Frau, die in der Öffentlichkeit darüber spricht, dass sie vergewaltigt worden ist, läuft Gefahr, von ihrer Familie verstoßen zu werden. Zu den schweren physischen und seelischen Verletzungen kommen verheerende soziale Folgen hinzu. Daher brauchen Frauen bei ihrem Kampf für das Recht auf Freiheit und Menschenwürde unsere Unterstützung.“ Nach Angaben des evangelischen Hilfswerks „Brot für die Welt“ (Stuttgart) sind schätzungsweise 70 Prozent aller Mädchen und Frauen mindestens ein Mal vergewaltigt worden. 1,5 Millionen Menschen seien derzeit Vertriebene im eigenen Land.

Weiße Fachkräfte sind Zeichen der Solidarität

Mehrere christliche Organisationen sind im Ostkongo engagiert, Neben Difäm und „Brot für die Welt“ unterstützt auch der evangelische Entwicklungsdienst „Christliche Fachkräfte International“ (Stuttgart) den Wiederaufbau. Der Dienst hat pädagogische und medizinische Mitarbeiter entsandt, um den einheimischen Kirchen bei der Wahrnehmung ihres diakonischen Auftrags zu helfen. Die Anwesenheit von Weißen werde als Zeichen der Solidarität gewürdigt und gebe den Notleidenden Hoffnung auf eine bessere Zukunft, sagte ein CFI-Sprecher gegenüber idea.

Auch Deutschland ist betroffen

Hintergrund des von der Weltöffentlichkeit weitgehend  unbeachteten Krieges ist, dass es im Ostkongo die weltweit größten Vorkommen des Rohstoffes Koltan gibt. Er wird für die Herstellung mikroelektronischer Geräte benötigt. „Weil ohne Koltan, das auf dem Rücken der Lokalbevölkerung ausgebeutet wird, Handys und Laptops nicht funktionieren, darf der Konflikt die Menschen in Deutschland nicht gleichgültig lassen“, so Frau Schneider. Von den rund 70 Millionen Einwohnern des Kongo gehören etwa 50 Prozent zur katholischen Kirche, 20 Prozent zu einer evangelischen Kirche und zehn Prozent zur unabhängigen Kimbanguistenkirche. Jeweils etwa zehn Prozent bekennen sich zum Islam oder zu einer traditionellen Religion.