13.09.2010
WEA: Globaler Aufschrei nur bei Angriffen auf Islam?
WEA: Globaler Aufschrei nur bei Angriffen auf Islam?
WEA: Globaler Aufschrei nur bei Angriffen auf Islam?
WEA: Globaler Aufschrei nur bei Angriffen auf Islam?
New York (idea) – Eine gleich starke Verurteilung von Angriffen auf jedwede Religion fordert die Weltweite Evangelische Allianz (WEA). Nach dem aus Sicht der evangelikalen Dachorganisation begrüßenswerten globalen Aufschrei gegen eine angedrohte Koran-Verbrennung durch eine christliche Gemeinde in Florida bitte man Staatsmänner und Medien, dasselbe Maß der Verurteilung an den Tag zu legen, wenn radikale Handlungen gegen Christen verübt werden.
WEA-Generalsekretär Geoff Tunnicliffe (New York) führt eine Liste von Gewalttaten aus der jüngsten Vergangenheit an. Dazu gehören Angriffe extremistischer Hindus im indischen Bundesstaat Orissa, bei denen im Jahr 2008 mindestens 70 Christen getötet, 54.000 vertrieben sowie 4.000 Häuser und 149 Kirchen zerstört wurden. In diesem Jahr habe ein afghanischer Parlamentarier öffentlich die Hinrichtung von Konvertiten zum Christentum verlangt. Vor zwei Jahren habe der stellvertretende Bürgermeister der israelischen Stadt Or Yehuda Einwohner angestachelt, Hunderte Neue Testamente zu verbrennen. In Sri Lanka verübten buddhistische Extremisten Anschläge auf Kirchen und Pastoren. Die Christen hätten in allen Fällen gewaltlos reagiert. Ein weltweiter Aufschrei sei indes ausgeblieben, so Tunnicliffe. „Werden solche Taten nur dann als falsch angesehen, wenn Opfer oder Betroffene höchstwahrscheinlich mit Gewalt reagieren?“ fragt er. Es werde interessant sein zu sehen, wie die Welt in Zukunft auf solche Übergriffe reagiere.
Allianzen verurteilen angedrohte Koran-Verbrennung
Die WEA repräsentiert 420 Millionen Evangelikale, die sich in 128 nationalen Allianzen organisieren. Viele hatten die angekündigte Koran-Verbrennung durch Dove World Outreach Center (Weltmissionszentrum Taube) in Gainesville (Florida), scharf verurteilt. Die Allianzen in den USA, Deutschland und der Schweiz bezeichneten die angedrohte Aktion als unvereinbar mit dem christlichen Glauben.
Prediger lässt sich umstimmen
Die 50 Mitglieder zählende Gemeinde in Gainesville wird dem extremen Rand der evangelikalen Bewegung zugeordnet. Ihr Leiter, Prediger Terry Jones, hatte angekündigt, am 11. September – dem neunten Jahrestag der Terroranschläge auf das New Yorker Welthandelszentrum und das Pentagon in Washington – etwa 200 Exemplare des Koran öffentlich zu verbrennen. Jones sieht den Islam als hasserfüllte Religion an. Er wollte nach eigenen Angaben Muslimen die Gelegenheit zur Bekehrung zum christlichen Glauben geben. Nach langem Hin und Her ließ sich Jones einen Tag vor der geplanten Bücherverbrennung umstimmen. Er werde niemals Koran-Exemplare anstecken. Zuvor war ein Gespräch mit Imam Feisal Abdul Rauf vermittelt worden, dem geistlichen Anführer einer Initiative zur Errichtung eines Islam-Zentrums mit Moschee nahe Ground Zero in New York. Jones betrachtet dieses Projekt als eine Provokation der fast 3.000 Todesopfer und möchte – wie die Mehrheit der New Yorker - erreichen, dass das Islam-Zentrum verlegt wird.
Vergeltungsaktionen in islamischen Ländern
Die angedrohte Koran-Verbrennung war weltweit auf scharfe Proteste in Politik, Kirchen und Religionsgemeinschaften gestoßen. In der islamischen Welt kam es zu Vergeltungsaktionen. Nach dem Freitagsgebet am 10. September gingen in Afghanistan Tausende aufgebrachte Muslime auf die Straße. Bei einer Demonstration nahe des Bundeswehrstützpunkts in Faisabad wurde ein Mensch erschossen, als die afghanische Polizei gegen Steinewerfer einschritt. Am 13. September zündeten wütende Muslime in Tangmarg im indischen Teil von Kaschmir eine christliche Missionsschule angezündet. Der Grund: Eine Gruppe Christen in den USA habe Koran-Seiten zerrissen. Weil die Schule bereits geschlossen war, gab es keine Verletzten, erklärte ein Polizeisprecher gegenüber der Nachrichtenagentur AFP.
Kölner Gemeinde gab Jones den Laufpass
Der 58-jährige Jones war bis 2008 mehr als 20 Jahre in Deutschland tätig. Er ist mit einer Deutschen verheiratet und leitete die Christliche Gemeinde Köln, die nach Angaben ehemaliger Mitarbeiter immer stärker sektiererische Züge annahm. Wegen unhaltbarer theologischer Aussagen und Geltungssucht gab ihm die Gemeinde vor zwei Jahren den Laufpass. Die jetzige Leitung kritisiert die Koran-Verbrennung: „Wir distanzieren uns von dieser Aktion und möchten damit nicht in Verbindung gebracht werden.“