16.09.2010

Großbritannien:Papst Benedikt XVI. in Großbritannien eingetroffen

Ein Besuch, der den meisten Briten egal ist

Großbritannien:Papst Benedikt XVI. in Großbritannien eingetroffen

Ein Besuch, der den meisten Briten egal ist

Der Besuch von Papst Benedikt in Großbritannien gilt als historisch. Die meisten Briten stehen ihm jedoch gleichgültig gegenüber - oder ablehnend. Äußerungen eines deutschen Kardinals haben das Klima zusätzlich verschlechtert. Er hatte von Großbritannien als "Dritte-Welt-Land" gesprochen.

Von Stefan Troendle, ARD-Hörfunkkorrespondent Rom, zurzeit in Großbritannien

Gegen 11.30 Uhr ist der Alitalia-Jet mit Papst Benedikt XVI. in Schottland gelandet. Der Papst wurde auf dem Flughafen von Edinburgh von Prinz Philipp empfangen, demnächst trifft er die Königin Elizabeth II. in Holyrood House, ihrer Residenz in Schottland. Sie hatte den Papst zu seinem ersten Staatsbesuch nach Großbritannien eingeladen. Im Anschluss wird der Papst mit dem Papamobil durch Edinburgh fahren.

Begeisterung in Schottland größer als in England

Papst Benedikt XVI. wurde in Edinburgh von Prinz Philip, der Ehemann von Königin Elizabeth II, empfangen. ]Da viele Schotten katholisch sind, ist die Begeisterung hier größer als in England. Rund um die Princes-Street werden bis zu 100.000 Zuschauer erwartet. "Ich teile die Begeisterung von allen, einig Kinder sind schon heute Morgen um 4 Uhr von zuhause aufgebrochen", sagt der schottische Kardinal O’Brien. Die Reise des Papstes umfasst ein dicht gedrängtes Programm mit drei großen Messen, die erste davon heute in Bellhouston Park in Glasgow, wo gerade die letzten Vorbereitungen zu Ende gehen. Tony Rillstone hat mitgeholfen, die Bühne aufzubauen. Sein Fazit: "Für die Katholiken ist das doch so was wie ein Rolling-Stones-Auftritt für die katholischen Welt.

Aufregung über die hohen Kosten des Besuchs

Der Besuch des Papstes wird allerdings vom Missbrauchskandal in der katholischen Kirche überschattet. Der und die ablehnende Haltung der Kirche in vielen moralischen Fragen von Kondomen bis Homo-Ehe haben dafür gesorgt, dass die meisten Briten dem Besuch gleichgültig bis ablehnend gegenüber stehen, einer Umfrage zufolge ist er 80 Prozent der Befragten egal. Zudem regen sich viele über die hohen Kosten des Besuchs auf, die die Steuerzahler bezahlen - so etwa Juliet Wilson von der humanitischen Gesellschaft Schottlands. "Der Papst kann natürlich kommen, wann er will, aber der Vatikan sollte mit seinem enormen Vermögen dafür bezahlen. Die Politiker müssen verstehen, dass die Lehrmeinung des Papstes komplett gegen das ist, wie die meisten Schoten und auch viel Katholiken tatsächlich leben."

Nicht gerade zur Klimaverbesserung beigetragen hat außerdem ein Interview vom ehemaligen Ökumeneminister des Papstes, Kardinal Walter Kasper. Er hatte Anfang der Woche in einem Interview den Briten aggressiven Neu-Atheismus vorgeworfen und gesagt, wenn man in London ankomme, könne man manchmal denken, man sei in einem Land der Dritten Welt gelandet. Die Tatsache, dass er nun - wahrscheinlich aus gesundheitlichen Gründen - kurzfristig nicht an der Reise teilnimmt, wird von allen britischen Medien erwähnt.

"Skandale werden kommen und gehen"

Unabhängig davon haben Papstgegner für Samstag eine größere Protestdemonstration in London angekündigt. Kardinal O’Brien legt Wert darauf, dass der Papst auch gekommen ist, um die katholische Minderheit in Großbritannien in ihrem Glauben zu stärken. "Skandale werden kommen und gehen, ab und zu wird es Schwierigkeiten geben", so der Kardinal. Die Kirche habe "so etwas schon 2000 Jahre lang erlebt" und werde auch mit allem anderen fertig werden. "Das gehört zu unserer Verantwortung, aber wir müssen auch weiter die christliche Botschaft verbreiten."

Die 17. Auslandsreise Benedikts steht vor allem im Zeichen der Ökumene mit der anglikanischen Kirche. Seit der Papst Ende letzten Jahres eigene Kirchenstrukturen für Anglikaner geschaffen hat, die zum katholischen Glauben übertreten wollen, gilt das Verhältnis als angespannt. In diesen Zusammenhang fällt auch die Seligsprechung des zur katholischen Kirche konvertierten Anglikaners John Henry Newman am Sonntag.

 Quelle: tagesschau.de