16.09.2010
Südsudan: bittet um Hilfe gegen Rebellenarmee
Bischof Edward Hiiboro Kussala: „Es ist einfach zu viel für uns!“
Südsudan: bittet um Hilfe gegen Rebellenarmee
Bischof Edward Hiiboro Kussala: „Es ist einfach zu viel für uns!“
Mit einer von über 30 Kirchen- und Regierungsvertretern aus vier afrikanischen Ländern unterzeichneten Erklärung hat der Bischof von Tombura-Yambio (Südsudan), Edward Hiiboro Kussala, die internationale Gemeinschaft erneut um Hilfe im Kampf gegen die Rebellenarmee "Lord´s Resistance Army" (LRA) gebeten. Die LRA terrorisiere immer noch die Grenzregion zwischen dem Sudan, der Demokratischen Republik Kongo und der Zentralafrikanischen Republik sowie den Norden Ugandas, sagte Kussala im Gespräch mit dem weltweiten katholischen Hilfswerk "Kirche in Not". Erst vergangene Woche habe sich in seiner Bischofsstadt Yambio wieder ein Überfall der LRA ereignet, bei dem acht Menschen mit Macheten zu Tode gehackt und weitere 14 schwer verletzt wurden, beklagte Kussala.
Wörtlich sagte der Bischof: "Wir sind sowohl von unseren eigenen Regierungen als auch von der internationalen Gemeinschaft vergessen worden. Deshalb meint die LRA, sie kann tun, was sie will." Der Bischof erinnerte an die unzähligen Menschen, die in den letzten Jahren durch Angriffe der Rebellenarmee getötet oder vertrieben worden seien. Kussala sagte, der ganze Südwesten des Sudan lebe in Panik, ebenso wie die angrenzenden Gebiete in der Zentralafrikanischen Republik, der Demokratischen Republik Kongo und Uganda. "Es ist einfach zu viel für uns!", rief der Bischof aus.
Die nun am Ende einer Konferenz in der Bischofsstadt Yambio unterzeichnete Erklärung fordert, dass die Vereinten Nationen, die USA und die Europäische Union den Druck in der Region erhöhen sollen, um die Bedrohung durch die LRA einzudämmen. Dazu seien vor allem Friedensgespräche mit der Rebellenarmee nötig, betonte Kussala. Außerdem fordert die Erklärung mehr humanitäre Hilfe für Flüchtlinge und Vertriebene.
Der Bischof beschreibt weiter die Auswirkungen der brutalen Gewalt, mit der die Anhänger der LRA vorgehen: "Sie zerstören Eigentum und lassen Kinder als Waisen zurück." Inzwischen gebe es kaum mehr Schulen oder soziale Einrichtungen, da ganze Regionen entvölkert seien. Militärisch könne gegen die Bedrohung durch die LRA allerdings nur begrenzt vorgegangen werden. Setze man Gewalt gegen die Rebellen ein, ginge das Leiden und Sterben nur weiter, fürchtet Bischof Kussala. Daher setze er seine Hoffnung auf den Beginn eines friedlichen Dialogs.
Berichte, denen zufolge die LRA mit dem islamistischen Präsidenten des Sudan, Omar al-Baschir, zusammenarbeite, könne er nicht mit letzter Sicherheit bestätigen, sagte Kussala. "Aber jemand muss die Rebellen mit Waffen und Nahrung versorgen sowie ihre Telefonverbindungen ermöglichen."
Quelle: Kirche in Not