20.04.2011

USA: „Religion-Vermeidungssyndrom“ im Außenministerium

US-Diplomaten: Wenig Sympathie für Religion

USA: „Religion-Vermeidungssyndrom“ im Außenministerium

US-Diplomaten: Wenig Sympathie für Religion

 

Washington (idea) – Das Thema Religion stößt im US-Außenministerium auf wenig Liebe. Viele Beamten und Diplomaten können sich damit nur schwer anfreunden, obwohl die Bedeutung der Religion in der internationalen Politik zunimmt, kritisieren ein Botschafter und ein früherer Mitarbeiter des Ministeriums. Dort pflege man eine „starre und enge“ Sicht der Diplomatie und vernachlässige die Rolle der Religion, erklärte der US-Botschafter in Malta, Douglas Kmiec. Der Katholik gab seinen Rücktritt für den 15. August bekannt. Der Jurist, der Barack Obama 2008 im Wahlkampf beraten hatte, war in einem internen Bericht des Außenministeriums scharf kritisiert worden: Er verbringe zu viel Zeit mit der Beschäftigung mit religiösen Fragen. In Schreiben an Obama und Außenministerin Hillary Clinton verteidigte Kmiec seine Arbeit. Im Unterschied zu den Ministeriumsbeamten bezweifle er, ob man dem Thema überhaupt zu viel Zeit widmen könne.

„Tief sitzendes Unbehagen“

Kmiec steht mit seiner Kritik nicht allein. Laut Daniel Burke, Washington-Korrespondent der ökumenischen Nachrichtenagentur ENInews, sprechen Beobachter von einem „Religion-Vermeidungssyndrom“ im Außenministerium. Thomas Farr, früherer Direktor der Abteilung für Religionsfreiheit, bestätigt, dass ein „tief sitzendes Unbehagen“ um sich greife, wenn es um religiöse Angelegenheiten gehe. Schon die ehemalige Außenministerin Madeleine Albright habe festgestellt, dass die US-Diplomaten zwar sehr kompetent seien, aber das Thema Religion stehe bei ihnen nicht im Brennpunkt. Albright – von 1997 bis 2001 Außenministerin in der Regierung von Präsident Bill Clinton – hatte 2006 ein Buch unter dem Titel „Der Mächtige und der Allmächtige – Gott, Amerika und die Weltpolitik“ veröffentlicht.

Neue Sonderbotschafterin für Religionsfreiheit

Unterdessen ist die seit dem Amtsantritt von Präsident Obama Anfang 2009 vakante Stelle des Top-Diplomaten für religiöse Angelegenheiten wieder besetzt. Die schwarze Baptistin Suzan Johnson Cook wurde zur Sonderbotschafterin für Religionsfreiheit ernannt. Die 53-jährige Pastorin war bereits im Juni 2010 vorgeschlagen worden, doch bei den Anhörungen im Senat wurde ihre Ernennung blockiert. Im Februar wurde sie erneut nominiert und dieses Mal auch vom Kongress bestätigt. Johnson Cook war 1983 als erste Schwarze zur Hauptpastorin in der Amerikanisch-Baptistischen Kirche ernannt worden. 1996 gründete sie in New York die Bronx Christian Fellowship Church (Christliche Gemeinschaft Bronx). 2009 verließ sie die Gemeinde. Nach ihrem Amtsantritt als Sonderbotschafterin sagte sie: „Ich bin von ganzem Herzen, ganzer Seele und ganzem Verstand überzeugt, dass Religionsfreiheit das Geburtsrecht aller Menschen überall ist – ein Fundament der Zivilgesellschaft, ein Schlüssel für internationale Sicherheit – und sie muss ein Eckpfeiler der US-Außenpolitik bleiben.“