21.04.2011
Usbekistan: Razzien und Beschlagnahmen
um die Religionsgemeinschaften ruhig zu stellen?
Die usbekische Geheimpolizei NSS und andere Beamte haben zwei Razzien bei einer registrierten Baptistengemeinde in der Hauptstadt Taschkent vorgenommen. Am 12. April zwischen 10 Uhr Vormittag und 22.00 Uhr wurden die Gemeinderäume 12 Stunden lang durchsucht. Dabei wurden über 7.000 Exemplare der Broschüre „Jesus, Sohn Abrahams und Davids“ sowie ein hoher Geldbetrag, der persönliches Eigentum eines Mitglieds der Baptistengemeinde war, beschlagnahmt. Der Geldbetrag wurde im Protokoll der beschlagnahmten Gegenstände nicht erwähnt.
Bei einer zweiten Razzia am 11. April in einer Privatwohnung in Taschkent, die der Baptistengemeinde gehört, wurden nach 14-stündiger Durchsuchung über 50.000 Bücher und Broschüren beschlagnahmt, welche die Bibliothek der Baptistengemeinde bilden, weiters 6 Computer, Drucker, Kopiergeräte, eine Buchbindemaschine, Videobänder, Audiobänder und vieles mehr. Die beschlagnahmte Bibliothek umfasste nicht nur über 400 Bibeln und über 600 Neue Testamente in Russisch, fast 300 Neue Testamente in Usbekisch, Bibellexika, Bibelkommentare und Wörterbücher, sondern auch Romane, Schulbücher, Bücher über Sport etc.
Die konfiszierten Bücher wurden zur „Expertenanalyse“ zum staatlichen Komitee für religiöse Angelegenheiten gesandt. Die Mitglieder der Baptistengemeinde befürchten, dass die Bücher nicht zurückgegeben werden. Die sogenannte „Expertenanalyse“ dient immer wieder als Vorwand für die Beschlagnahme von Büchern, welche die Behörden beschlagnahmen wollen. Religiöse Literatur aller Glaubensrichtungen unterliegt in Usbekistan strenger Zensur.
Innerhalb weniger Tage nach der Razzien wurden zwei Gemeindeleiter und ein Hausbesorger der Gemeinde zu sehr hohen Geldstrafen (50 bzw. 100 monatliche Mindestgehälter) verurteilt. Die Beamten haben ihr Vorgehen nicht gegründet, doch in der letzten Zeit ist generell ein härteres Vorgehen der Behörden gegen den Besitz und die Verbreitung religiöser Literatur zu bemerken. Ein Baptist aus Taschkent, der aus Furcht vor staatlichen Repressalien anonym bleiben möchte, sagte dazu: „Die Behörden wollen Kirchen und Religionsgemeinschaften im Taschenformat, die ruhig bleiben und sich nur wenig betätigen.“
In den staatlich kontrollierten Medien werden Angehöriger zahlreicher dem Staat nicht genehmer Glaubensrichtungen immer wieder aufs Schlimmste verleumdet. Über die Baptisten wurde unter anderem behauptet, sie empfehlen ihren Mitgliedern, ihre Häuser zu verkaufen, und das Geld der Kirche zu spenden. Doch es werden noch weit unglaublichere und absurdere Lügen verbreitet, so z.B. dass Menschen in Zombies verwandelt werden. Von diesen Verleumdungskampagnen der offiziellen Medien betroffen sind unter anderem nicht registrierte islamische Gemeinschaften, evangelische und evangelikale Christen, Methodisten, Zeugen Jehovas und Baha’i.
Quelle: Forum 18 News Service, Oslo
Deutsche Fassung: AK Religionsfreiheit der Österreichischen Evangelischen Allianz