03.08.2011

Nigeria: Regierung will mit Terrorgruppe verhandeln

(idea) Im westafrikanischen Nigeria halten die religiösen Spannungen an. Das bevölkerungsreichste Land Afrikas bezeichnet sich als größtes gemischt christlich-muslimisches Land der Welt. 51 Prozent der 158 Millionen Einwohner sind Christen, 45 Prozent Muslime und die übrigen Anhänger von Naturreligionen. Die Christen leben vorwiegend im Süden, die Muslime zumeist im Norden. Extremisten wollen das islamische Religionsgesetz, die Scharia, überall durchsetzen; es gilt bereits in zwölf der 36 Bundesstaaten. Am letzten Juli-Wochenende explodierten in der zentralnigerianischen Stadt Jos (Bundesstaat Plateau) drei Bomben in der Nähe von drei evangelischen Kirchen. Niemand wurde getötet oder verletzt, doch aus Angst vor weiterer Gewalt blieben die meisten Christen den Gottesdiensten fern. Die Anschläge ereigneten sich in einer religiös gemischten Wohngegend und könnten sich auch gegen Vertreter eines gemäßigten Islam gerichtet haben. Erst am 10. Juli hatte ein Bombenanschlag auf eine christliche Missionsgemeinde in Suleja (Bundesstaat Niger) vier Tote und sieben Schwerverletzte gefordert. Die Verantwortung übernahm die muslimische Terrorgruppe Boko Haram. Die auch als „Taliban Nigerias“ bezeichnete Bewegung will einen islamischen Gottesstaat errichten. Die nigerianische Zentralregierung unter Präsident Goodluck Jonathan, einem Christen, hat Boko Haram Gespräche angeboten. Der siebenköpfigen Verhandlungskommission gehören der Verteidigungs- und der Arbeitsminister an. Doch die islamischen Extremisten haben bisher nicht auf das Angebot reagiert.