24.08.2011

Afghanistan: Deutsche Entwicklungshelfer vermisst oder entführt?

Einer der beiden Männer arbeitet wahrscheinlich für ein christliches Hilfswerk

Afghanistan: Deutsche Entwicklungshelfer vermisst oder entführt?

Einer der beiden Männer arbeitet wahrscheinlich für ein christliches Hilfswerk

 

Kabul/Berlin (idea) – In Afghanistan werden zwei deutsche Entwicklungshelfer seit dem 19. August vermisst. Außenminister Guido Westerwelle kann nicht ausschließen, dass sie „Opfer eines Entführungsverbrechens“ geworden sind. Man suche intensiv nach ihnen und stehe in ständigem Kontakt zu den zuständigen Behörden, sagte der FDP-Politiker. Presseberichten zufolge ist einer der Männer für die staatliche deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) tätig. Der andere Mann arbeitet nach Informationen der Evangelischen Nachrichtenagentur idea für ein seit vielen Jahren in Afghanistan tätiges christliches Hilfswerk; das bestätigen auch Zeitungsberichte. Das Auswärtige Amt in Berlin machte auf Anfrage von idea keine Angaben zur Identität der Vermissten und verwies auf den Schutz der laufenden Ermittlungen. Das afghanische Innenministerium in Kabul erklärte, man wisse dort nicht, ob die Deutschen entführt wurden. Niemand habe bisher für eine solche Tat die Verantwortung übernommen. Ein Sprecher der radikal-islamischen Taliban dementierte, etwas mit der Angelegenheit zu tun zu haben. Deutsche Stellen vermuten einen kriminellen Hintergrund. Laut Presseberichten wurden die Vermissten zuletzt in Begleitung von drei bewaffneten Männern gesehen. Der Polizeichef der Provinz Parwan, General Scher Ahmed Maladani, hält es auch für denkbar, dass sich die Männer verlaufen haben könnten oder möglicherweise von wilden Tieren angegriffen worden seien.

Entwicklungshelfer entführt und ermordet

In den vergangenen Jahren ist es in Afghanistan immer wieder zu Entführungen gekommen, der nicht nur westliche Entwicklungshelfer und Geschäftsleute zum Opfer fallen, sondern oft auch vermeintlich wohlhabende Afghanen. In der Regel wurden die Betroffenen gegen die Zahlung eines Lösegeldes wieder auf freien Fuß gesetzt. Im Jahr 2007 sorgte die Entführung von zwei deutschen Bauingenieuren wochenlang für Aufsehen. Eine Geisel war erschossen worden; der zweite Ingenieur kam im Oktober 2007 nach 85 Tagen frei. Wenig später wurde eine deutsche evangelikale Entwicklungshelferin verschleppt. Christina Meier, damals Büroleiterin der Hilfsorganisation „Ora International“ in Kabul, wurde nach rund 36 Stunden von afghanischen Sicherheitskräften aus den Händen ihrer Entführer befreit. Ein blutiges Ende fand vor gut einem Jahr ein Einsatz eines augenmedizinischen Teams des christlichen Hilfswerks International Assistance Mission (IAM). Zehn Mitarbeiter, darunter die sächsische Dolmetscherin Daniela Beyer, wurden bei der Rückkehr von einem Einsatz in der Provinz Badakstan erschossen. Die Täter sind bis heute nicht ermittelt.