26.08.2011

Afghanistan: Kein Lebenszeichen von vermissten Deutschen

Einer der beiden gehört zur evangelischen Christusträger-Bruderschaft

Afghanistan: Kein Lebenszeichen von vermissten Deutschen

Einer der beiden gehört zur evangelischen Christusträger-Bruderschaft

Kabul/Wilsdruff/Ditzingen (idea) – Von den beiden in Afghanistan verschwundenen deutschen Entwicklungshelfern fehlt weiterhin jede Spur. Sie werden seit 19. August vermisst. Unbestätigten Presseinformationen zufolge handelt es sich um Siegbert Stocker aus Wilsdruff bei Dresden und Willi Ehret aus Ditzingen-Heimerdingen bei Stuttgart. Wie die Sächsische Zeitung berichtet, gehört Stocker zur evangelischen Christusträger-Bruderschaft mit Hauptsitz im unterfränkischen Triefenstein bei Würzburg; in Wilsdruff betreibt sie ein Gästehaus. Die Bruderschaft mit weltweit 30 Mitgliedern wollte sich auf Anfrage der Evangelischen Nachrichtenagentur idea jedoch nicht zu den aktuellen Vorgängen äußern.

Stocker ist einer von drei in Afghanistan tätigen Brüdern, wo die Bruderschaft seit 1969 arbeitet und unter anderem zwei Kliniken für Lepra- und Tuberkulosekranke betreibt. 2008 wurde darüber hinaus zusammen mit der katholischen Hilfsorganisation Misereor eine Werkstatt für Metallbauer errichtet. Hier bildete Bruder Siegbert junge Afghanen aus. Der promovierte Agrarwissenschaftler Ehret ist für die staatliche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) tätig.

Fünf Verdächtige festgenommen

Das Auswärtige Amt hält sich mit Auskünften bedeckt. Sprecher Sebastian Fischer erklärte gegenüber idea, man gehe allen Hinweisen nach und stehe in ständigem Kontakt mit den Behörden vor Ort. Man sei bemüht, die beiden wohlbehalten und möglichst unversehrt wiederzufinden. Details könne er mit Rücksicht auf die laufenden Ermittlungen nicht nennen. Außenminister Guido Westerwelle (FDP) hatte erklärt, er könne nicht ausschließen, dass die beiden „Opfer eines Entführungsverbrechens“ geworden sind. Der Sprecher des afghanischen Innenministeriums, Sediq Sediqqi, sagte der Nachrichtenagentur dpa, die beiden Männer seien in der Provinz Parwan nördlich von Kabul zum Wandern gewesen. Sie hätten ihren Wagen samt Fahrer am Fuß eines Bergs nahe dem Salang-Fluss zurückgelassen und seien zu Fuß weitergegangen. Als die Männer von ihrem Ausflug nicht zurückgekommen seien, habe der Fahrer die Polizei alarmiert. Laut afghanischer Regierung verlor sich die Spur der Deutschen „irgendwo zwischen den Provinzen Baghlan und Parwan“. Man wisse nicht, ob sie entführt wurden. Bislang habe niemand die Verantwortung übernommen. Ein Sprecher der radikal-islamischen Taliban dementierte, etwas mit der Angelegenheit zu tun zu haben. Inzwischen haben afghanische Behörden allerdings fünf Verdächtige festgenommen. Es soll sich um Nomaden handeln, die womöglich Verbindungen zu Aufständischen haben könnten. Die Sprecherin der Provinzregierung Parwan, Roschana Chalid, hält es für möglich, „dass diese Leute in den Fall verwickelt sind“. Nach ihren Angaben haben am 24. August deutsche Hubschrauber die Berge abgeflogen, hätten die beiden Männer aber nicht gefunden. Die Bundeswehr wollte dies nicht bestätigen.

Immer wieder Entführungen

In den vergangenen Jahren ist es in Afghanistan immer wieder zu Entführungen gekommen, der nicht nur westliche Entwicklungshelfer und Geschäftsleute zum Opfer fallen, sondern oft auch vermeintlich wohlhabende Afghanen. In der Regel wurden die Betroffenen gegen die Zahlung eines Lösegeldes wieder auf freien Fuß gesetzt. Im Jahr 2007 sorgte die Entführung von zwei deutschen Bauingenieuren wochenlang für Aufsehen. Eine Geisel wurde erschossen, die andere kam im Oktober 2007 nach 85 Tagen frei. Wenig später wurde eine deutsche evangelikale Entwicklungshelferin verschleppt. Christina Meier, damals Büroleiterin der Hilfsorganisation „Ora International“ in Kabul, wurde nach rund 36 Stunden von afghanischen Sicherheitskräften aus den Händen ihrer Entführer befreit. Ein blutiges Ende fand vor gut einem Jahr ein Einsatz eines augenmedizinischen Teams des christlichen Hilfswerks International Assistance Mission (IAM). Zehn Mitarbeiter, darunter die sächsische Dolmetscherin Daniela Beyer, wurden bei der Rückkehr von einem Einsatz in der Provinz Badakstan erschossen. Die Täter sind bis heute nicht ermittelt.