14.12.2011
Kongo: Kirchen erwarten Solidarität westlicher Christen
Tübingen (idea) – Die Kirchen im Osten der Demokratischen Republik Kongo erwarten von den Christen in den Industriestaaten mehr Solidarität. In dieser Region des zentralafrikanischen Landes tobt seit mehr als zehn Jahren ein blutiger Kampf zwischen Regierungssoldaten und mehreren Rebellengruppen um den Zugang zu Rohstoffen, insbesondere zu den weltweit größten Vorkommen von Koltan.
Dieses Metall wird beispielsweise für die Produktion von Handys und Laptops benötigt. Die Hersteller zahlten hohe Beträge für den Rohstoff, was die Herrschaft über die Koltanlagerstätten attraktiv macht. Dabei gehen die Bürgerkriegsparteien rücksichtslos gegen die Bevölkerung vor. Zur Einschüchterung gehörten Morde, Raubzüge, Vertreibungen und Vergewaltigungen, berichtet die Direktorin des Deutschen Instituts für Ärztliche Mission (Difäm) in Tübingen, Gisela Schneider, unter Berufung auf ostkongolesische Kirchen.
Chefarzt entführt
Auch die medizinische Versorgung, die zu großen Teilen von den Kirchen geleistet wird, werde erschwert. Vor sieben Monaten sei der Chefarzt des Krankenhauses in Oicha, Paluku Mukongoma, von militärisch gekleideten Männern entführt worden, habe der Präsident der Evangelischen Gemeinschaft in Zentralafrika, Kokole Idringi (Bunia), mitgeteilt. Diese aus der Afrika-Inland-Mission hervorgegangene evangelikale Kirche arbeitet mit mehreren deutschen Missionswerken und Hilfsorganisationen zusammen – außer mit dem Difäm auch mit der Deutschen Missionsgemeinschaft (Sinsheim bei Heidelberg), dem Missionswerk DIGUNA (Haiger/Mittelhessen), Christliche Fachkräfte International (Stuttgart) und dem Evangelischen Entwicklungsdienst (Bonn). Seit dem spurlosen Verschwinden Mukongomas ist die chirurgische Abteilung des Bezirkskrankenhauses nur noch beschränkt funktionsfähig. Kirchenmitarbeiter vermuten, dass der Arzt in einem Rebellencamp festgehalten wird, um verwundete Kämpfer zu behandeln. Einen Ersatz für den Arzt gebe es nicht, schreibt der Kirchenpräsident.
Bitte um Gebet
Die unsichere Lage im Ostkongo verhindere, dass Ärzte aus anderen kongolesischen Regionen oder aus dem Ausland nach Oicha kämen. Die Situation der Menschen könne sich nur bessern, wenn die Kämpfe aufhörten und Frieden entstehe. Dafür sollten sich Christen weltweit einsetzen, zum Beispiel durch Gebet. Außerdem sollten Bürger in Industriestaaten als Hauptnutzer der begehrten Rohstoffe bei ihren Regierungen darauf drängen, dass der Handel mit Koltan transparent gemacht werde. Dazu gehöre, dass die Elektronikfirmen ihre Lieferanten benennen und die Importwege darstellen müssen.