17.12.2011
Pakistan: Weihnachten im Gefängnis
Christen in einer Haftanstalt feiern das Hochfest – Beitrag von Eva-Maria Kolmann - Kirche in Not
Pakistan: Weihnachten im Gefängnis
Christen in einer Haftanstalt feiern das Hochfest – Beitrag von Eva-Maria Kolmann - Kirche in Not
In einem pakistanischen Gefängnis zu sitzen, ist wirklich eine Strafe. Folter ist an der Tagesordnung. Die Haftbedingungen sind miserabel. Für hundert Häftlinge gibt es eine einzige Waschgelegenheit, und die Zellen sind winzig und überfüllt.
Manche Häftlinge sterben an einem Hitzschlag oder weil ihr Herz aussetzt. Allein im Jahr 2010 sind in Pakistan 72 Menschen in Haft gestorben. Für Christen ist es noch viel schlimmer. Werden sie schon im “normalen Leben” benachteiligt und unterdrückt, so ist ihre Lage im Gefängnis noch prekärer.
In der Haftanstalt von Faisalabad kommt an Weihnachten jedoch auch zu ihnen das Christkind. Dominikanerpater Iftikhar Moon und seine Mitbrüder besuchen die Gefangenen. Ein Raum wird weihnachtlich geschmückt. Bunte Glitzergirlanden und Sterne aus Glanzpapier verleihen den grauen Wänden einen Hauch von Weihnachtsstimmung. Dort feiern sie die heilige Messe. Im vergangenen Jahr kam auch Bischof Joseph Coutts mit und feierte Weihnachten mit den Christen im Gefängnis.
Die Gefangenen singen Weihnachtslieder. Einer von ihnen trägt die Lesungen vor. Hinterher ist die Bescherung: Lebensmittel, Decken, Medikamente und andere Gaben werden verteilt. Auch die Wärter bekommen kleine Geschenke: Kekse oder Limonade. Einige von ihnen feiern Weihnachten mit, obwohl sie Muslime sind.
Pater Iftikhar sagt: “Manche Polizisten sind gute Menschen, die uns helfen. Aber einige sind auch gierig und verlangen Geld.” Da die meisten Christen sehr arm sind, können es sich ihre Familien nicht leisten, die Wärter zu bestechen. So bekommen christliche Häftlinge im Gegensatz zu ihren muslimischen Mithäftlingen fast nie Besuch. Viele wären auch schon längst entlassen worden, wenn sie sich die ihnen auferlegte Geldbuße hätten leisten können. Manchmal können die Dominikaner ihnen helfen.
Die Dominikaner verteilen nicht nur Geschenke an christliche Häftlinge, sondern feiern mit ihnen eine heilige Messe an Weihnachten.
In den Gefängnissen von Faisalabad, der drittgrößten Stadt Pakistans, sitzen 5000 Menschen, unter ihnen sind 85 bis 100 Christen. Die meisten von ihnen sind aufgrund von Drogendelikten oder illegalem Alkoholhandel inhaftiert.
In Pakistan dürfen nämlich nur Nicht-Muslime Alkohol erwerben, und auch sie benötigen eine Genehmigung. Manche Nicht-Muslime, also auch Christen, kaufen daher Alkohol und verkaufen ihn auf dem Schwarzmarkt teuer an Muslime. Meistens macht die Polizei mit und ist eine feste Größe in diesem Geschäft. Aber jederzeit kann sie die Schwarzhändler verhaften.
In der islamischen Kultur ist das Verständnis von Vergebung anders als im Christentum. Es geht um Vergeltung, nach gleichem Maß. Üblich ist auch die Praxis des sogenannten “Blutgeldes”. Wenn die Familie des Opfers damit einverstanden ist, zahlt der Mörder Geld und entkommt der Todesstrafe. Manchmal wird auch ein junges Mädchen aus der Familie des Täters mit einem alten Mann aus der Opferfamilie verheiratet.
Zumindest an Weihnachten werden Pater Iftikhar und seine Mitbrüder aber wieder ins Gefängnis gehen können. Sie werden den Häftlingen Trost spenden und sie zwei Stunden lang ihr hartes Los vergessen lassen. Zwei Stunden lang werden die Gefangenen sich wie anerkannte Menschen fühlen. Und in der heiligen Messe wird es auch für sie heißen: “Siehe, ich verkünde euch große Freude. Denn heute ist euch der Retter geboren.”
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