18.02.2011
Indonesien: Erneut übergriffe auf christliche Einrichtungen
CG/AN 18.2.2011 Nachdem die Kirchenzerstörungen in den letzten Monaten
etwas nachgelassen zu haben schienen, kam es am 8.2.2011 wieder zu einem
neuen Zwischenfall: Schon am 26.10.2010 war in der Stadt Temanggung
(Mitteljava, ca 1 ½ Autostunden von Salatiga entfernt) der Evangelist
Antonius Richmond Bawengan verhaftet worden. Er hatte evangelistische Bücher
und Traktate verteilt, die angeblich den Islam (und den Katholizismus)
verunglimpft haben sollen. Am 8.2.2011 wurde er in Temanggung zur
gesetzlichen Höchststrafe von fünf Jahren Gefängnis verurteilt. Diese Strafe
erschien einigen Fanatikern jedoch noch zu niedrig. Es kam zu Unruhen, bei
denen der Gerichtssaal, eine katholische und zwei evangelische Kirchen, ein
christlicher Kindergarten sowie mehrere christlichen Schulen stark
beschädigt wurden; neun Menschen wurden verletzt. Zügig verstärkte
Sicherheitskräfte und die moderat-islamische Jugendorganisation ANSOR
konnten weitere Übergriffe verhindern. Dennoch hat man den Eindruck, dass
die lasche Haltung der Polizei die Fanatiker zu immer neuen Übergriffen
ermutigt. Erst im Dezember 2009 war eine Kirche in einem Dorf bei Temanggung
zerstört worden. Am 6.2.2011 hatten Fanatiker die Anhänger der islamischen
Ahmadiyya-Sekte in Cikeusik (Westjava) angegriffen; mindestens drei Anhänger
der Sekte wurden brutal zu Tode geprügelt. Vor allem in Westjava (Bogor,
Bekasi, Bandung) werden die Kirchen immer wieder von Fanatikern
terrorisiert. Gemeinden unserer Partnerkirche GKJTU in Mitteljava waren in
jüngster Zeit nicht von weiteren Kirchenzerstörungen oder
Kirchenschließungen betroffen. Allerdings konnte die 1997 geschlossene
GKJTU-Kirche in Mojoranu (Kirchenkreis Bojonegoro) und die 2006 geschlossene
GKJTU-Kirche in Tlogowungu (Kirchenkreis Blora) bis heute noch nicht wieder
eröffnet und in Gebrauch genommen werden. Die GKJTU-Gemeinden in Solo/Makam
Haji (Kirchenkreis Salatiga) und Karangasem (Kirchenkreis Pemalang) müssen
sich ebenfalls in Privathäusern versammeln und kämpfen schon lange um eine
Baugenehmigung für eine eigene Kirche.
Hinter den jüngsten Angriffen (sowohl gegen die Christen als auch gegen die
Ahmadiyya) vermutet man die paramilitärische Islamische Verteidigungsfront
und deren parlamentarischen Arm, die fundamentalistisch-islamische
Gerechtigkeits- und Wohlfahrtspartei. Dem Minister für Kommunikation und
Informationstechnologie von der Gerechtigkeits- und Wohlfahrtspartei fiel
zu den Angriffen auf die Ahmadiyya-Sekte denn auch kein anderer Kommentar
ein, als dass die Verbreitung des Dokumentationsvideos über das Internet
unzulässig gewesen sei. Indonesischen Bürgerrechtlern zufolge genießt die
Islamische Verteidigungsfront mit ihren schätzungsweise 200.000
Mitgliedern die Unterstützung von Teilen der Polizei, der Armee und von
hohen politischen Kreisen. Als Murhali Barda, der ehemalige Anführer der
Islamischen Verteidigungsfront", verschiedene seiner Anschläge vor Gericht
verantworten musste, drohte er der Protestantischen Batakkirche (HKBP) und
den anderen Christen mit einem Heiligen Krieg, wie die Tageszeitung
Jakarta Globe (Onlineausgabe 16.2.) berichtet. Der indonesische Präsident
hat inzwischen angekündigt, ganz allgemein unruhestiftende Organisationen
aufzulösen was schon lange der Wunsch der Bevölkerungsmehrheit ist. Die
Islamische Verteidigungsfront fühlte sich wohl als eine solche
unruhestiftende Organisation angesprochen und hat ihrerseits dem
Präsidenten angedroht, ihn zu stürzen und in Jakarta für ägyptische
Verhältnisse zu sorgen, falls er die Islamische Verteidigungsfront
auflösen sollte.
Wir beten für alle Bemühungen um friedliche Lösungen der Konflikte sowie
dass Regierung und Polizei endlich entschlossen gegen die Fanatiker
vorgehen.
Quelle: Aktuelle Nachrichten aus Java 7. Kalenderwoche, 18.02.2011
(zusammengestellt von Ch. & K.P.N. Gossweiler)