03.01.2011

Ägypten : CSU stellt Entwicklungshilfe für Ägypten in Frage

Nach dem blutigen Anschlag auf Christen in Alexandria drohen deutsche Politiker mit Konsequenzen. Notfalls müssten Gelder gestrichen werden

Ägypten : CSU stellt Entwicklungshilfe für Ägypten in Frage

Nach dem blutigen Anschlag auf Christen in Alexandria drohen deutsche Politiker mit Konsequenzen. Notfalls müssten Gelder gestrichen werden

 

Nach dem blutigen Anschlag auf koptische Christen in Alexandria in der Neujahrsnacht haben deutsche Politiker stärkeren Druck auf die ägyptische Regierung gefordert. Vertreter der Union forderten von Muslimen in aller Welt, sich von Gewalt gegen andere Religionen zu distanzieren. Bei dem Anschlag auf eine koptische Kirche waren in der Silvesternacht mindestens 21 Menschen ums Leben gekommen, Dutzende wurden verletzt.

Neue Krawalle nach Anschlag auf Kirche

"Eine Verurteilung solcher Anschläge ist zu wenig. Ägypten und andere Staaten müssen dem Ungeist religiöser Intoleranz wirksam entgegentreten“, sagte der menschenrechtspolitische Sprecher der Grünen im Bundestag, Volker Beck. De facto sei das Land eine Diktatur. "Der Westen aber schaut aus außenpolitischer Rücksichtnahme auf das Regime Mubarak systematisch weg.“ Deutschland habe seine Möglichkeiten zur Einflussnahme „bei weitem nicht ausgeschöpft“, beklagte Beck, der auch parlamentarischer Geschäftsführer seiner Fraktion ist. Er sprach sich dafür aus, außen- und entwicklungspolitische Vereinbarungen an Bedingungen hinsichtlich der Menschenrechtslage zu knüpfen, insbesondere bei staatlicher Budgethilfe.

Das Begräbnis der Opfer von Alexandria

Selbst beim Begräbnis der Opfer zeigt sich die Wut der koptischen Christen. Die Menge skandiert immer wieder das Wort "Nein", als eine Beileidsbekundung von Ägyptens Präsidenten Mubarak verlesen werden soll

"Ähnlich äußerte sich die CSU und forderte eine Neuorientierung der deutschen Entwicklungszusammenarbeit. „Wir sollten unsere Entwicklungshilfe an der Frage ausrichten, ob in einem Land Christen vom Staat oder einer anderen Seite verfolgt werden“, sagte der Parlamentarische Geschäftsführer der CSU-Landesgruppe, Stefan Müller. Alle Regierungen im islamischen Raum seien aufgefordert, christliche Minderheiten zu schützen. „Es kann keine finanzielle Unterstützung für Länder geben, in denen Christen ihre Religion nicht ungehindert ausüben können“, sagte Müller.

Überwachungskamera zeigt Anschlag auf Kirche

Gleichzeitig kritisierte die CSU Vertreter der Muslime in Deutschland. „Ich erwarte, dass sie ihre Abscheu noch klarer formulieren, so wie das weltweit geschehen ist“, sagte Unionsfraktionsvize Johannes Singhammer. Der Aufruf deutscher Muslime zu mehr religiöser Toleranz sei besonders wichtig, weil diese in Deutschland ihren Glauben frei ausüben könnten. In Ländern wie Ägypten oder dem Irak sei genau das für viele Gläubige nicht der Fall.

Hans-Peter Uhl, Außen- und Sicherheitspolitiker der CSU, forderte eine eindeutige Distanzierung der gemäßigten Muslime. Er warnte vor einem Übergreifen islamistischer Gewalt auf Deutschland. „Wenn die Muslime selbst protestieren, bewirkt das viel mehr, als wenn wir das tun.“

Christen in Ägypten

Etwa sieben bis neun Millionen der 83 Millionen Ägypter sind Christen. Die meisten von ihnen gehören der koptisch-orthodoxen Kirche an. Sie ist die größte christliche Gemeinschaft im Nahen und Mittleren Osten. Ihr Name geht auf eine Verkürzung des griechischen Wortes „aigyptios“ zurück, mit dem man einst die christlichen Nachfahren der Ägypter des Altertums bezeichnet hatte.

Organisation

Oberhaupt der Kopten ist bereits seit 1971 Papst Schenuda III, Patriarch von Alexandria. Weltweit wird die Zahl der Kopten auf etwa 10 bis 15 Millionen geschätzt; bis zu 10 000 leben in Deutschland. Große Auslandsgemeinden gibt es in den USA.

Geschichte

Der Überlieferung nach gründete der Evangelist Markus die Kirche in Ägypten vor rund 2000 Jahren. Die eigentliche koptisch- orthodoxe Kirche entstand nach dem Konzil von Chalkedon im Jahre 451. Damals unterlag der Patriarch von Alexandria im dogmatischen Streit um die Natur Jesu Christi. Die koptisch-orthodoxe Kirche unterhält in Ägypten zahlreiche Klöster.

Konflikt mit dem Islam

Im Zuge der Islamisierung ab 640 traten viele Kopten zum Islam über oder wurden gewaltsam dazu gezwungen. Durch das Erstarken des islamischen Fundamentalismus in den vergangenen 20 Jahren kommt es immer wieder zu gewalttätigen Auseinandersetzungen zwischen Muslimen und Kopten in Ägypten.

(Quelle: dpa)

CDU-Vize Annette Schavan rief muslimische Würdenträger in aller Welt dazu auf, sich von Gewalt gegen andere Religionen zu distanzieren. „Muslimische Autoritäten in Kairo und anderswo müssen eindeutig Stellung beziehen gegen jede Form von Gewalt im Namen ihrer Religion“, sagte die Bundesbildungsministerin. „Es gibt keinen Frieden der Völker ohne den Frieden der Religionen.“

Unterdessen kam es auch am zweiten Abend nach dem Anschlag in der ägyptischen Hafenstadt Alexandria zu neuen Zusammenstößen zwischen Kopten und der Polizei. Die Polizei habe Tränengas eingesetzt. Nach Medienberichten verlangten die Demonstranten in Alexandria und Kairo einen besseren Schutz für Christen in Ägypten. Auch in Assiut – knapp 400 Kilometer südlich von Kairo – hätten etwa 2000 Kopten demonstriert, schrieb die Zeitung „The Daily News Egypt“ online. Sicherheitskräfte hätten mehrere Verdächtige festgenommen, berichtete der arabische Nachrichtensender Al Dschasira.

www.welt.de/politik/ausland/article11942218/CSU-stellt-Entwicklungshilfe-fuer-Aegypten-in-Frage.html