03.01.2011
Ägypten: Neue Krawalle nach Blutbad in Alexandria
Nach dem Anschlag auf eine Kirche in der Silvesternacht entlädt sich die Wut der ägyptischen Christen. Sie verlangen mehr Schutz von der Regierung.
In Ägypten dauern die Unruhen nach dem Anschlag auf koptische Christen an und erschüttern das autoritäre Regime des seit nahezu drei Jahrzehnten herrschenden Staatschefs Hosni Mubarak.
Die Wut der christlichen Minderheit entlädt sich in teilweise gewalttätigen Protesten. In Kairo demonstrierten zahlreiche Menschen. Auch vor Regierungsgebäuden kam es zu Protesten. In der Kairoer Innenstadt wurden am Sonntagabend 39 Angehörige der Sicherheitskräfte und zwei Passanten verletzt. Demonstranten bewarfen die Polizisten mit Steinen und Flaschen.
Zu Protesten kam es auch in Alexandria und in einem vorwiegend von Christen bewohnten Dorf in der oberägyptischen Provinz Assiut, bei denen die Demonstranten Slogans gegen Mubarak riefen.
Religiöse Unruhen am Sonntag
Auch Zusammenstöße zwischen Christen und Moslems hat es gegeben. Demonstranten bedrängten in Kairo das Fahrzeug eines Großimams. Vor der Kairoer Markus-Kathedrale wurden Besucher ausgepfiffen. Demonstranten warfen Steine auf den Wagen eines Ministers, der dem koptischen Papst Shenouda III. sein Beileid bekunden wollte.
Koptische Minderheit
Mit acht bis zehn Millionen Menschen stellen die Kopten etwa ein Zehntel der rund 83 Millionen ägyptischen Staatsbürger.
Mehr: ''Wer sind die Kopten?''
21 Kopten in den Tod gerissen
In der Silvesternacht hatte ein Selbstmordattentäter in einer koptischen Kirche in der Hafenstadt Alexandria 21 Menschen mit in den Tod gerissen. Die Bluttat, die von fanatischen Islamisten geplant worden sein soll, hat international große Empörung hervorgerufen. Auch hohe Repräsentanten der islamischen Geistlichkeit in Ägypten wie auch in Saudi-Arabien verurteilten die Tat.
Ägypten: Wut und Trauer nach Anschlag auf Christen
Kardinal Christoph Schönborn erklärte am Montag: "Die katholische Kirche in Österreich ist solidarisch mit dem Schmerz und der Trauer der koptischen Kirche." Der Wiener Erzbischof drückte zugleich seine tiefe Sorge über die Situation der Christen im ganzen nahöstlichen Raum aus.
Die Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV) forderte von Präsident Mubarak Konsequenzen. Der Staatschef müsse sich stärker für ein Ende der Diskriminierung der Kopten in seinem Land einsetzen, erklärte die GfbV am Montag in Göttingen. "Mit leeren Worten der Anteilnahme werden die Kopten sich nicht beruhigen lassen", nach Jahren staatlicher Schikanierung und stillschweigender Duldung von Übergriffen wollten die Christen nun endlich konkrete Taten zur Verbesserung ihrer schwierigen Lage in Ägypten sehen.
(Ag.) Die Presse