12.01.2011

Ägypten: Polizei verdächtigt mehrere Muslime

Drei bis fünf muslimische Ägypter sollen den Anschlag auf die koptischen Christen verübt haben.Angeblich beschafften sie sich Sprengstoff im Ausland

Ägypten: Polizei verdächtigt mehrere Muslime

Drei bis fünf muslimische Ägypter sollen den Anschlag auf die koptischen Christen verübt haben.Angeblich beschafften sie sich Sprengstoff im Ausland

Der Anschlag auf eine christliche Kirche in Alexandria in der Silvesternacht ist nach neuen Erkenntnissen der Ermittler von drei bis fünf muslimischen Ägyptern verübt worden. Die Terroristen, von denen einer durch die Bombe ums Leben gekommen sei, hätten bei der Planung der Tat aber Unterstützung aus dem Ausland erhalten, schrieb die unabhängige Kairoer Tageszeitung „Al-Masry Al- Yom“ unter Berufung auf die Polizei.

Selbst beim Begräbnis der Opfer zeigt sich die Wut der koptischen Christen. Die Menge skandiert immer wieder das Wort "Nein", als eine Beileidsbekundung von Ägyptens Präsidenten Mubarak verlesen werden soll

Der Terroranschlag in der Silvesternacht auf ein Gotteshaus in der ägyptischen Stadt Alexandria richtete sich gegen die Glaubensgemeinschaft der koptischen Christen. Die koptische Kirche ist eine Sonderform der orientalisch-orthodoxen Kirche und zählt weltweit zwischen 15 und 20 Millionen Mitglieder.

Die größte Ansammlung von sieben bis neun Millionen Gläubigen befindet sich in Ägypten, die dortigen Kopten sind die größte christliche Gemeinde im Nahen Osten. Der Ursprung der Glaubensrichtung liegt ebenfalls in Ägypten: Als Gründer gilt der Evangelist Markus, im ersten Jahrhundert nach Christus war er Bischof in der Hafenstadt Alexandria.

Zur Abspaltung von der römisch-katholischen Kirche führte das Konzil von Chalkedon im Jahr 451, auf dem sich die geistlichen Vertreter der verschiedenen Glaubensrichtungen nicht auf ein einheitliches Bekenntnis bezüglich der Natur Jesu einigen konnten. Seitdem vertreten die Anhänger der koptischen Kirche die von anderen Glaubensrichtungen abgelehnte Auffassung, dass die göttliche und menschliche Natur miteinander verbunden und in einer einzigen Natur vereint seien.

Oberhaupt der koptischen Kirche ist seit 1971 Papst Schenuda III., seine genaue Bezeichnung lautet „Papst von Alexandrien und Patriarch des Stuhles des Heiligen Markus“. Sein höchster Stellvertreter in Deutschland ist der Bischof Anba Damian. Dem Bundesinnenministerium zufolge leben etwa 6.000 koptische Christen in Deutschland.

Im Unterschied zu anderen orthodoxen und orientalischen christlichen Glaubensformen betreibt die koptische Kirche aktiv Jugendarbeit und soziale Dienste.

Quelle: dapd

Die Täter hätten sich einen Sprengstoff beschafft, der in Ägypten nicht erhältlich sei und daraus eine Bombe gebaut, in die sie zusätzlich Nägel und Stahlmuttern steckten. Die ägyptischen Behörden hatten direkt nach dem Blutbad erklärt, hinter dem Anschlag müsse al-Qaida oder eine andere ausländische Terrorgruppe stecken.

Dass die politischen Nachbeben des Terroranschlags, bei dem 23 Menschen ihr Leben verloren hatten, noch andauern, zeigte sich am Dienstagabend. Als ein muslimischer Polizist in der oberägyptischen Provinzstadt Samalut in einem Zug einen koptischen Christen erschoss und fünf weitere Christen verletzte, kam es in der Ortschaft zu gewaltsamen Zusammenstößen zwischen wütenden Kopten und der Polizei.

Aus Sicherheitskreisen hieß es: „Dieser Vorfall in Minia hat keinen terroristischen oder religiösen Hintergrund.“ Der psychisch auffällige Polizist habe zwei Tage vor der Attacke noch als Wachmann vor einer Kirche seinen Dienst versehen. Wenn er also Christen habe töten wollen, so hätte sich dort sicher leicht eine Gelegenheit für ihn ergeben, argumentierte die Polizei. Der Beamte, der mit seiner Dienstwaffe geschossen hatte, wird derzeit von der Polizei verhört.

Die Regierung in Kairo hat sich in den Tagen seit dem Anschlag von Alexandria mehrfach über Forderungen westlicher Politiker und Kirchenführer nach einem besseren Schutz der Christen in Ägypten beschwert. Dabei legte sie sich auch mit Papst Benedikt XVI. an und rief seine Botschafterin beim Vatikan, Lamia Mechaimar, am Dienstag zu Konsultationen nach Kairo. Vor ihrer Abreise bat sie der für die Beziehungen zu anderen Staaten zuständige Sekretär des Vatikans, Dominique Mamberti, jedoch, ihrer Regierung mitzuteilen, dass der Vatikan genauso wie die ägyptische Regierung daran interessiert sei, „eine Eskalation von Zusammenstößen und Spannungen aus religiösen Gründen zu vermeiden“.

Die Regierung in Kairo behauptet, die vor allem von den Ägyptern der koptischen Exil-Gemeinden in den USA vorgebrachten Klagen über eine Diskriminierung von Christen in ihrer Heimat seien frei erfunden. Die Kopten beklagen unter anderem die restriktive Praxis bei der Bewilligung von Baugenehmigungen für Kirchen.

dpa/cn  Quelle: Weltonline